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Bezahlmodelle im Internet : Umsonst ist nicht genug

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Crowdfunding

Die Schwarmfinanzierung, im Fachjargon Crowdfunding genannt, erlaubt es Internetnutzern, kreative Projekte im Vorfeld zu finanzieren. Die Mechanismen sind einfach: Ein Musiker will einen Videoclip produzieren, dafür benötigt er 10 000 Euro. Auf einer Crowdfunding-Plattform präsentiert er seine Idee, wirbt zudem auf Twitter und Facebook. Die Betreiber der Plattform schalten seinen Aufruf zum Spenden für eine bestimmte Zeitspanne, in der Freunde und Fans spenden können. Als Gegenleistung bekommen sie einen Auftritt im Videoclip oder eine signierte CD. Kommen die 10000 Euro innerhalb der Frist zusammen, kann der Musiker sein Video in aller Ruhe produzieren. Gelingt es ihm nicht, erhalten die Spender ihr Geld zurück.

So sammelte beispielsweise der Regisseur Sergej Moya innerhalb von drei Monaten 170 000 Euro für seinen Erotikstreifen „Hotel Desire“. Für den kommenden Kinofilm zur Pro-Sieben-Serie „Stromberg“ spendeten Fans gar eine Million Euro innerhalb weniger Tage. Statt eines Auftritts im Stromberg-Büro erhalten die virtuellen Investoren eine Beteiligung am tatsächlichen Erlös. Selbst die Produktion der Science-Fiction-Farce „Iron Sky“ verdankt einen Teil des Budgets ihrer Crowdfunding-Gemeinde.

Kreative können mit Schwarmfinanzierung risikolos ihre Ideen im Netz vorstellen und erhalten sofort Resonanz. Die Marktforschung ist damit schon vor der Produktion abgeschlossen, Tausenden von Platten oder Büchern wird das Schicksal erspart, eingestampft zu werden.

Aktuell haben Crowdfunding-Portale wie startnext.de oder kickstarter.com eine Erfolgsquote von vierzig Prozent. Jedoch kann selbst die beste Idee in diesem Modell scheitern. Erfolg garantieren nur eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und ein großes Netzwerk. Statt kreativer Arbeit geht es zuerst nur ums Marketing. Der Weg der Schwarmfinanzierung ist daher für bekannte Kunstschaffende leichter als für junge Talente - also genau wie in der analogen Welt.

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Mäzenatentum

Es waren immer ausgerechnet die größten Profiteure des Kapitalismus, die sich mit ihrem Geld die Dinge kauften, die der Markt eben nicht von selbst hervorbringt, früher waren das Fresken, heute sind es vielleicht Fußballvereine. Logischerweise ist das Modell für Massenkunst damit eher untauglich, aber gerade das kann auch ein Vorteil sein.

Ein Beispiel ist die amerikanische Stiftung Pro Publica, eine Non-Profit-Initiative für investigativen Journalismus - auch so ein Gut, das immer schwerer zu verkaufen ist. Mit einem Jahresbudget von zehn Millionen Dollar finanzieren die kalifornischen Immobilien-Milliardäre Herbert und Marion Sandler die Arbeit von 32 Reportern, einer davon gewann 2010 einen Pulitzerpreis.

Leider funktioniert Philanthropie nie für alle. Und dass das Problem der Abhängigkeit vom Gönner nie restlos ausgeräumt werden kann, ist auch ein grundsätzlicher Makel des Modells. Aber im Zeitalter des Schwarms wird auch das Mäzenatentum neu organisiert - und funktioniert (siehe nächster Punkt) auch ganz ohne Mäzen.

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