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Gedenken der Toten : Im November

  • -Aktualisiert am

Klatschmohnblüten Bild: dpa

Die Fifa verbietet den Fußballspielern der WM-Qualifikation England gegen Schottland am 11. November das Tragen von Symbolen zum Gedenken ans Ende des Ersten Weltkriegs? Die Sportler sollten sich darüber hinwegsetzen.

          Das Gedenken der Toten ist ergreifend. Und zwar fast immer. Es unterscheidet den Menschen von seinen tierischen Vorfahren, und weil es eine geistige Haltung und Handlung ist, tut es das vielleicht mehr noch als der Werkzeuggebrauch oder die Zähmung des Feuers. Allerseelen, Allerheiligen, Volkstrauertag fallen in den November. Schon die Natur spricht im Herbst von Vergänglichkeit.

          Im Gedenken der Toten - und nun kommt das Problem - liegt ein durchaus universalistisches Motiv: Wir erklären damit, zur Gattung Homo sapiens zu gehören. Indem man aber bestimmter Toter gedenkt (der Ahnen, unserer und keiner anderen Vorfahren), bekräftigt eine begrenzte Gemeinschaft ihre Grenzen. Sofort wird alles politisch, Feind und Freund werden unterschieden; und dies nicht aus subjektiv böser Gesinnung, sondern aus dem hier vorliegenden Strukturzwang.

          Ein bewegender Kontrast

          „In Flanders fields the poppies blow“ - damit beginnt das Gedicht von John McCrae, das für die Briten zum Inbegriff des Gedenkens an die Toten des Ersten Weltkriegs wurde: „Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn / Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe, / Die unseren Platz markieren; und am Himmel / Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend / Unten zwischen den Kanonen kaum gehört. // Wir sind die Toten.“ Deshalb die stilisierten Mohnblumen aus Papier an jedem 11. November, dem Tag des Waffenstillstands. Bald war nämlich zwischen den Gefallenengräbern der Flandernschlacht des Jahres 1915 der Mohn aufgeblüht.

          Reine, ruhige Schönheit! Und die ruhenden Toten! Gibt es einen bewegenderen Kontrast? Am 11. November spielen die Fußballmannschaften Englands und Schottlands um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018. Mohnblumen-Armbänder sollen getragen werden. Die Fifa hat es verboten, die Briten werden sich darüber hinwegsetzen. Richtig so. Auch wenn das Gedicht martialisch zur Fortsetzung des Krieges mahnt: „Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben / So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst.“

          In Deutschland aber werden Gefallenendenkmäler regelmäßig vandalisiert. So in Chemnitz im Mai dieses Jahres, am 23. September wurde der Fall des verunstalteten Kriegerdenkmals an der Wilhelmshöhe in Metzkausen gemeldet, gleichfalls im September die Farb-Beschmierung des Infanteristen-Denkmals in Paderborn. Wir haben keinen Mohn.

          Lorenz Jäger

          Freier Autor im Feuilleton.

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