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Bettencourt-Günstling Banier : Ein Sohn aus gutem Hause

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Die Patriarchin und ihr Günstling: Liliane Bettencourt und François-Marie Banier im Juni 2004 Bild: picture alliance / dpa

Der Prozess gegen den Künstler François-Marie Banier erschüttert das System Sarkozy. Aber wer ist eigentlich dieser Mann, dem Frankreichs reichste Frau mehr als eine Milliarde geschenkt hat?

          Wenn es im schwelenden Parteispendenskandal, der zurzeit ganz Frankreich bewegt, eine zentrale Figur gibt, dann handelt es sich nicht um Nicolas Sarkozy, auch wenn der Präsident von Tag zu Tag mehr um sein Amt fürchten muss. Die schillernde Gestalt, die all die Untersuchungen ins Rollen brachte, ist François-Marie Banier, Künstler, Protegé und engster Vertrauter der reichsten Frau Frankreichs und ganz Europas, der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt.

          Weil ihre von Baniers Einfluss beunruhigte Tochter, die Theologin Françoise Bettencourt-Meyers, im Dezember 2008 einen Antrag auf Vormundschaft über ihre Mutter einreichte, kam es zu jenem Prozess, in dessen Verlauf sich nun Details über eine mögliche Günstlingswirtschaft der Sarkozy-Partei UMP herauszukristallisieren beginnen.

          Die Gründe, die das Einzelkind Françoise Bettencourt-Meyers nach dem Tod ihres Vaters dazu bewogen haben, Familienintimitäten mit dem großen Gestus attischer Tragödien an die Öffentlichkeit zu tragen, können niemanden kaltlassen. Innerhalb von wenigen Jahren hat ihre heute 87-jährige Mutter Banier Werte in der geschätzten Höhe von einer Milliarde Euro zukommen lassen, Schecks über Millionensummen, Gemälde, Lebensversicherungen und möglicherweise sogar ein kleines Steuerparadies. Personalaussagen deuten darauf hin, dass die Freundschaft zwischen der Grande Dame und ihrem 63-jährigen Vertrauten turbulent gewesen ist und zeitweise geradezu erpresserische Züge annahm. Die Tochter sah in den imposanten Gaben eine Ausnutzung der Altersschwäche und fürchtete, dass die große Zuneigung ihre Mutter gar zur Adoption Baniers verleiten könnte. Und weil der in L'Oréal investierende Schweizer Großkonzern Nestlé auf den Zukauf weiterer Aktien drängt, die ihm die Oberhoheit geben können, ist der Familienstreit zugleich eine Staatsaffäre.

          François-Marie Banier am 1. Mai in Paris

          Das kulturelle Establishment lag ihm zu Füßen

          Liliane Bettencourt ihrerseits betont, dass sie ihr Aktiendepot nie angreifen würde und ihre Zuwendungen an Banier ausschließlich aus den jährlichen Ausschüttungen bestritten habe. Für die Besitzerin eines Vermögens, das sich in der jüngsten Finanzkrise um sieben auf circa 17 Milliarden Euro reduziert hat, sind die Millionen, die ihrem Künstlerfreund regelmäßig zuflossen, „eine wenn schon bedeutende, so doch proportional nicht ins Gewicht fallende Summe“. Liliane Bettencourt reklamiert die Freiheit, ihr Taschengeld nach eigenem Gutdünken auszugeben. Und das Einzige, was sie in ihrem Alter und nach dem Tod ihres Mannes noch „ablenken, amüsieren und überraschen“ kann, ist nun einmal Banier.

          Sie ist nicht die Einzige, die er in seinen Bann schlug. André Maurois kam noch acht Jahre nach einer Begegnung mit dem zwanzigjährigen Banier bewundernd auf dessen Impertinenz und sarkastische Intelligenz zurück, Dalí ließ den jungen Mann jahrelang täglich in einem Wagen abholen, um mit ihm zu diskutieren, Aragon sagte ihm eine große Zukunft voraus und lobte sein impulsives, verstörendes Talent. Marie-Laure de Noailles vermachte ihm ihr stupendes Jean-Michel-Frank-Interieur, Madame Grès ernannte ihn zu ihrem Berater und Pierre Cardin zu seinem Pressevertreter, Johnny Depp vertraute ihm die Patenschaft seiner Tochter an, Vladimir Horowitz ließ sich von ihm zu einer letzten Tournee überreden, „Le Monde“ und „Le Figaro“ räumten dem frühreifen Wunderkind Kolumnen ein, und von Yves Saint Laurent und Françoise Sagan über Isabelle Adjani und Patrice Chéreau bis zu Silvana Mangano und Truman Capote lag das kulturelle Establishment François-Marie Banier zu Füßen.

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