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Vatikan in Geldnot : Heilige Pleite

  • -Aktualisiert am

Schon auch schön, wenn in der Sixtinischen Kapelle mal nicht die sprichwörtliche Hölle los ist. Bild: Picture-Alliance

Durch den Besuchereinbruch in den Vatikanischen Museen sind die ohnehin schwächelnden Einnahmen drastisch geschrumpft. Braucht der kleinste Staat der Welt bald Finanzspritzen?

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          Nun hat die Krise der Museen auch noch den kleinsten Staat der Welt in Nöte gebracht. Die Vatikanischen Museen erwarten bis zum Ende des Jahres ein Defizit von 53 Millionen Euro. Sollte Italien eine zweite Corona-Welle erleben, könnte es noch schlimmer kommen. Der ohnehin finanziell schon angeschlagene Heilige Stuhl würde trotz des Sparkurses von Papst Franziskus dann noch weiter in die roten Zahlen rutschen. Die Einnahmen aus Spenden und Diözesen sind wegen des durch den Missbrauchsskandal verursachten Vertrauensverlusts eingebrochen, bei der Verwaltung des vatikanischen Grundbesitzes regierte lange Vetternwirtschaft, und Personalkosten wurden bis vor kurzen kaum kontrolliert.

          Eine sichere Haupteinnahmequellen waren dagegen die Vatikanischen Museen: Wer die Stanzen des Raffael besichtigt, in der Sixtinischen Kapelle den Kopf in den Nacken legt, um Michelangelos „Erschaffung von Eva“ zu bewundern oder im päpstlichen Fuhrpark an goldbesetzten Pferdekutschen und Oldtimern entlang spaziert, der erfreut nicht nur sein Auge mit Schönheit, bildet sich und erlebt vielleicht einen andächtigen Moment. Er trägt mit dem für das Museumsticket bezahlten Geld auch dazu bei, dass im Staat die Kasse stimmt.

          Gerade jetzt ist es wunderbar

          Früher beliefen sich die monatlichen Einnahmen der Museen auf etwa 12,5 Millionen Euro, sie zählten bis zu 30.000 Besucher am Tag, pro Jahr waren es etwa sechs Millionen. Dann kam der Lockdown und eine fast dreimonatige Schließung. Seitdem die Museen wieder geöffnet sind, haben erst 60.000 vor allem römische Besucher den Weg dorthin gefunden. Die Angst vor Ansteckung ist zu groß. Dabei ist es gerade jetzt wunderbar, die Kunstschätze wiederzusehen. Es gibt keine drängelnden oder schiebenden Menschen, und nirgendwo versperren einem große Gruppen die Sicht.

          Die Museen haben sich einiges einfallen lassen, um Besucher anzulocken. Mit Öffnungszeiten unter der Woche bis in den frühen Abend hinein und am Freitag sowie Samstag bis 22 Uhr. Zudem gibt es eine „Happy Hour“ bei Führungen am Wochenende: Den Teilnehmern wird dann ein Glas Wein gereicht, im Cortile della Pigna, dem Pinienzapfen-Hof. Bei dessen Genuss wird nun vielleicht auch über die finanzielle Situation des Vatikans geplaudert. Die Nachricht von den Einnahmebußen hat die Spekulationen, ob der Vatikan vor der Pleite steht, neu angeheizt. Sollten nicht bald wieder mehr Besucher kommen, wird der Heilige Stuhl an außerordentlichen Einnahmen in Form von finanziellen Hilfspaketen nicht vorbeikommen.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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