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Besuch beim Kyffhäuser-Denkmal : Barbarossa in der identitären Krise

  • -Aktualisiert am

Buden-Ouverture vor dem Barbarossa-Denkmal Bild: Christin Veltjens-Rösch

Denkmäler sollen Lern- und Konfrontationsorte sein. Was aber, wenn die Botschaft so uneindeutig ist, dass nur noch politisch Rechte etwas lernen wollen und andere nur noch zum Kaffeetrinken kommen? Ein Besuch bei Barbarossa im Kyffhäuser.

          Durch eine idyllische Waldlandschaft bahnt sich der kurvenreiche Weg durch das kleinste Mittelgebirge zum drittgrößten Denkmal Deutschlands. Nur kurz erscheint das monumentale Kyffhäuser-Denkmal immer wieder hinter Baumwipfeln. Dann wird die Idylle jäh unterbrochen. Es wird auf einmal ganz bunt und trotzdem trist ringsum, unerwartetes Nachwendefeeling stellt sich ein. Zur Linken sehen wir das Kyffhäuserhotel, eine in die Jahre gekommene ehemaligen Ferienanlage für DDR-Funktionäre, einen Imbiss, eine Partybahn im Eisenbahnlook und auffällig viele Motorsägenskulpturen. Zur Rechten weht ein Fahnen-Wirrwarr, eine Shoppingmeile mit ungewöhnlichem Angebotsmix sticht ins Auge: Met, Meteoriten, Mineralien, Holzschnitzereien und nach Kilopreis abgerechnete Gummitierchen können genauso erworben werden wie Ostalgie- und Trödelprodukte.

          Sind wir hier richtig? Jetzt, erinnere ich mich wieder - die Frau von der Besucherinformation hat mir zweimal eindringlich den Tipp gegeben: „Fahren Sie bitte unbedingt am ersten Parkplatz vorbei, beginnen Sie ihre Tour erst am hinteren Parkplatz, nehmen Sie sich die 15 Minuten mehr Zeit, wenn Sie gut zu Fuß sind“ Ok, sind wir, machen wir. Belohnt werden wir mit einem traumhaften Blick. Über der offiziellen Denkmalwirtschaft – dem Burghof – thront das Kyffhäuser-Denkmal, es ist Samstagmorgen, noch früh, ganz still und stilvoll. Die Busladung von Kaffeegästen, die Biker und sonstigen Ausflügler werden erst im Laufe des Tages auffallen, nur ein paar Wanderer streifen schon umher.

          Kaiserwetter am Burghof

          Diese morgendliche Ruhe vor der einzigartigen Kulisse genießt auch die Denkmalwirtin Catrin Auerbauch, wie sie mir am Telefon verriet. Täglich macht sie ganz früh ihre Runde durch die untere Burganlage der ehemaligen Stauferfestung. Sie sprudelt vor Begeisterung, wenn sie von dem Alten und der Ursprünglichkeit dieses Ortes erzählt, welche Energie hiervon ausgehe, allein „wenn man die Hände auf die alten Mauern legt“. Auf die Frage, ob dieses Denkmal in seiner Größe nicht auch manchmal schaurig auf sie wirke, wenn man seine Geschichte bedenkt oder das, was andere mit dem Denkmal verbinden, wird sie wortkarger und verneint. Seit 2015 richtet der Burghof das jährliche Kyffhäusertreffen des „Flügels“, einer extremen Gruppierung innerhalb der AfD aus. Björn Höcke stilisierte das Wirtsehepaar am 5. Juni 2015 gar als Widerständler gegen Medienleute und andere Kritiker des Festes, die sich, wie er und seine Kameraden, nicht unterkriegen lassen würden.

          Auch im Juni 2016 versammelten sich AfD-Anhänger wieder bei Kaiserwetter beim Burghof, um das „große Fest der Vaterlandsliebe“, Deutschlandfähnchen schwingend, bei Bratwurst, Bier und Volksmusik zu feiern. Und auch, um über die Geschichte und Zukunft ihres Patriotismus' zu reflektieren. Björn Höcke trifft den Geschmack seiner Zuhörer mit der Parole: „Wir haben jetzt 70 Jahre Mahnmale gebaut, es ist hohe Zeit, dass wir endlich wieder Denkmäler errichten.“ Am Fuße des Kyffhäuser-Denkmals klatscht das Publikum. Am 2. September ist es wieder so weit, da trifft sich der „Flügel“ wieder am Burghof. Was sich AfD-Sympathisanten von Denkmälern erhoffen, wird dabei ausreichend klar.

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