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Beste Lage (7) : Neben der Denkmalplakette hängt oft „Securitas“

Diesen grünen Gürtel enger schnallen? So weit kommt das noch! In Köln-Marienburg muss noch niemand seinen zweiten Porsche verkaufen Bild: Hans-Georg Esch

In Köln kann man nirgends besser wohnen als auf der Marienburg, der Gartenstadt der Gutbetuchten und feinsten Adresse der Stadt. Hohe Tiere aus Politik und Sport joggen hier gemeinsam.

          „Zu verkaufen“: Das Schild im Vorgarten sprießt häufiger, seit die Finanzkrise das Land durchpflügt. Auch in Köln schlägt es Wurzeln, in Müngersdorf etwa oder im Hahnwald. Beide Vororte gelten als bessere Wohngegenden und können es doch mit der besten nicht aufnehmen: Marienburg. Die Villenkolonie ist die feinste Adresse der Stadt – teuer, nobel, exklusiv. Schon sprachlich hebt sie sich hervor: Man wohnt nicht „in“, sondern „auf der Marienburg“. Kein „Zu verkaufen“ stört, bisher zumindest, den sozialen Frieden.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Immobilien wechseln hier nur selten den Besitzer. Im vorigen Jahr, so der „Grundstückmarktbericht 2009 für die Stadt Köln“, waren es drei freistehende Häuser und drei Doppelhaushälften. Der Kaufpreis betrug im Mittel 1,3 Millionen Euro. Die Bodenrichtwertkarte spiegelt keine Konjunkturschwankungen, lag der Quadratmeterpreis in den vergangenen drei Jahren doch bei 530, 540 und 560 Euro. Dagegen seien, so betonen die Makler, die Preisunterschiede für Gesamtobjekte nicht sehr aussagefähig, weil es sich bei jeder Immobilie um ein Unikat handle.

          Schimmel und Wasserflecken

          Eine Oase der Ruhe: Das ist der erste Eindruck. Während unten am Rhein das Oberländer Ufer und im Westen die Bonner Straße donnern, wirkt die Marienburg abgeschirmt. Breite Straßen, wenig Verkehr. So viel Betrieb wie im Morgengrauen des 14. Februar 2008, als Klaus Zumwinkel Besuch von der Staatsanwaltschaft bekam, herrscht nur ausnahmsweise. Ruhe auch für die Augen: Der für das Kölner Stadtbild typische Flickenteppich bleibt außen vor. Keine Werbung schreit, und im Wahlkampf nahm sie sich so zurückhaltend wie deplaziert aus.

          „Villengebäude – erbaut ca. 1910 / Umbau ca. 1960, Köln-Marienburg.“ Einmal steht doch eine Anzeige in der Zeitung. Kein Makler, eine Anwaltskanzlei hat sie aufgegeben: „Verkauf im Auftrag gegen Meistgebot.“ Sogar ein Besichtigungstermin wird genannt. Bisher in drei Wohneinheiten aufgeteilt, ist das Haus heruntergewohnt und nicht gerade ein Schmuckstück. Die vorderen Räume sind hell und großzügig, in den Küchen und Bädern wuchern Schimmel und Wasserflecken.

          „Unter 1,5 Millionen läuft hier nichts.“

          Nein, ein Gutachten gebe es nicht, sagt der Anwalt, der sich Kekse und Mineralwasser mitgebracht hat, jeder könne sich alles ansehen, das Bundesvermögensamt mache das auch so. Auf den Preis angesprochen, gibt er sich zugeknüpft. Ein Haus in der Nähe, genauso groß, aber nicht freistehend, habe, so erklärt er auf Nachfrage, gerade 1,8 Millionen Euro erzielt: „Unter 1,5 Millionen läuft hier nichts.“ „Was, so viel?“, ruft eine Dame, die angibt, „in der Nähe mehrere Häuser“ zu besitzen, aber, prollig gekleidet, nicht danach aussieht, und zückt den Taschenrechner: „Der Quadratmeter kostet hier 625 Euro, das macht bei achthundert Quadratmetern eine halbe Million.“ Als der Anwalt um 16 Uhr die Tür schließt, steht nur ein Name auf der Interessentenliste. „Sie können ja anrufen.“

          „Träume von Burgen und Schlössern“

          Die Geschichte des Vororts beginnt 1845 auf der kleinen Anhöhe im Südosten, wo die Gemeinde Rondorf ihren Galgenberg hatte und sich die Aussicht bis ins Siebengebirge öffnet. Der Kölner Kaufmann Paul Joseph Hagen ließ sich ein stattliches Wohnhaus hier bauen, das er „Marienburg“ nannte, doch nach Grundstücksspekulationen vier Jahre später verkaufen musste: an das Bankhaus Salomon Oppenheim, das es von einem Pächter bewirtschaften ließ. Als es 1869 dem Fabrikanten Ernst Leybold auffiel, stand es „inmitten eines alten Parks, der aber ungepflegt und verwildert dalag“. So hielt es seine Tochter Minna 1931 fest: „Dies ist die schönste noch von Industrie unberührte Stelle der nahen Umgebung Kölns, hier sollte eine freundliche Villenvorstadt den in der engen Festung zusammengedrängten Menschen Luft, Licht und ländliche Freuden bringen, ohne sie von ihrem Zusammenhang mit der Stadt zu trennen.“

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