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Beste Lage (3) : Drei, zwei, eins, meins!

Die Gegend rund um Genf ist eine der schönsten der Welt - und eine der teuersten. Niemand hätte früher gewagt, um Häuserpreise zu feilschen. Die Krise hat das geändert. Teil drei unser Serie über internationale Immobilien in Krisenzeiten.

          4 Min.

          In Genf dreht sich kein Mensch um, wenn er seinen Mitbürgern Alain Delon oder Charles Aznavour begegnet, Jean-Claude Killy oder Sophia Loren. Fußballer zieht es zwar auch im Ruhestand nicht hierher, dafür wohnen in den Dörfern rund um Genf mehrere Stars der Formel 1 und französische Tennisspieler. Den Ölscheichs gehören am Ufer in Frankreich und in der Schweiz die allerherrlichsten Paläste. Es kann vorkommen, dass das Krankenhaus eine ganze Etage für einen sehr reichen Privatpatienten aus dem Morgenland reserviert. Und ein Geschäft der Familie mitten in der Nacht die Türen öffnet.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Villenviertel beginnen gleich am Rande der Stadt. Die allererste Adresse vor Ort ist Cologny, der kleine Hügel oberhalb des Sees an der Ausfallstraße nach Frankreich, kaum zwei Kilometer von der Mont-Blanc-Brücke und dem Stadtkern entfernt. Bei Sonnenuntergang genießt man von der Terrasse den Blick auf den Lac Léman, das UN-Gebäude, die Kathedrale. Kein Fluglärm stört die Idylle. Auch nicht auf dem Golfplatz der Milliardäre.

          Genfs teuerster Flecken

          Hier wohnen traditionellerweise die Privatbanker sowie die Angehörigen der diskreten Maus-Familie, der in der Schweiz und in Frankreich große Kaufhäuser sowie die Marke Lacoste gehören. In jüngster Zeit zog es die Stars des Showbusiness und die Akrobaten des Finanzkapitalismus an den teuersten Flecken Genfs. Marc d'Andiran, Direktor der Immobilienagentur Verbel, die mit Büros in Genf, Lausanne und Montreux das ganze Genfer-See-Gebiet abdeckt, hat vergangenes Jahr in Cologny ein Haus für 43 Millionen Schweizer Franken verkauft und gerüchteweise von Preisen zwischen hundert und hundertfünfzig Millionen gehört. Cologny nennt er „das Beverly Hills von Genf“.

          Charles Aznavour wohnt gleich um die Ecke: diese Villa kostet dreieinhalb Millionen Euro

          Das leerstehende Haus, das mir Marc d'Andiran zum Kauf anbietet, befindet sich gleich hinter dem Hügel von Cologny, in Vandoeuvres, einer kleinen Vorortgemeinde mit nicht viel mehr als zweitausend Einwohnern, einem eigenen Bürgermeister und relativ tiefem Steuersatz. Ganz in der Nähe hat Aznavour seine neue Villa als Botschafter von Armenien bezogen. Vandoeuvres - ohne Seesicht - ist ländlicher, stiller, diskreter als Cologny. Genferischer. Wer hier wohnt, ist nach altem Brauch angehalten, in seinem Garten eine Eiche zu pflanzen.

          Hier leben?

          Das Haus am Chemin Dulasse Nummer acht liegt in einem Villenviertel mit eher langweiligen geometrischen Grundstücken. Es wurde 1989 gebaut und befindet sich in gutem Zustand. Man kann einziehen, nur die Tapeten wirken etwas altmodisch, und die Einbauküche ist technisch nicht auf dem aktuellsten Stand. Zehn, elf Zimmer. Ein großer Wohn- oder Empfangsraum mit Säulen und einem Kamin führt in den Garten. Es gibt dort keine Blumen- oder Gemüsebeete, nur einen einzigen Baum. Im Pool lässt es sich ein paar Längen schwimmen. Im Untergeschoss gibt es einen riesigen Spiel- und Bastelraum sowie den obligaten Luftschutzkeller.

          Heute lagern meist Weinflaschen, Äpfel und Kartoffeln in den bombensicheren und strahlungsresistenten Verliesen. Die Schlaf- und Badezimmer sind auf die erste Etage verteilt, die Fenster geben den Blick frei auf den Garten, die Landwirtschaftszone und den nahen Wald. Wie meistens in der Schweiz ist alles auch im unbewohnten Zustand blank geputzt und wirkt trotz der Größe, 300 Quadratmeter Wohnfläche werden ausgewiesen, eher eng. In einem leeren Haus können einen leicht ungute Gefühle beschleichen. Versucht man, sich in dieser Villa Leben vorzustellen, tauchen unweigerlich Erinnerungen an „Derrick“ auf.

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