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Berühmte Schweizer Bibliothek : Bahnt sich ein kulturpolitisches Desaster an?

Außen ein Schiff, innen ein Universum: Blick in die Oechslin Bibliothek in Einsiedeln Bild: Picture-Alliance

In Einsiedeln muss die weltberühmte Bibliothek von Werner Oechslin um ihren Fortbestand fürchten. Was ist passiert?

          6 Min.

          Es gibt eine schöne kurze Geschichte von Thomas Hürlimann, in der er sich an seine Begegnungen mit dem Architekturhistoriker Werner Oechslin erinnert. Er beschreibt ihn zuerst als Stiftsschüler, auf einem Klosterfirst sitzend und Thomas von Aquin lesend. Dann als jungen Dozenten an der Freien Universität in Berlin, Chianti trinkend und vom Süden schwärmend. Und schließlich als gelehrten Geist, der nachts zwischen den Bäumen seines Gartens in seinem Lebenswerk verschwindet. Das „Lebenswerk“, das ist seine Bibliothek in Einsiedeln. Jenem abgeschiedenen Ort in der Zentralschweiz, dessen anziehender Name bis heute das Programm für den einkehrenden Geist geblieben ist: Hier gibt es das berühmte Kloster, die alljährlichen Welttheaterfestspiele und eben die von Mario Botta entworfene Bibliothek von Werner Oechslin.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          In Hürlimanns Geschichte wird sie so beschrieben: „außen ein Schiff, innen das Universum – Abertausende von Bänden, Folianten, Broschüren, Skripturen, Kollektaneen, Tagebüchern, Hinter- und Oberwelten, die Wüsten der Kirchenväter, Barockstädte im Erdbeben, Anaximanders Land- und Seekarte, Platons Staat (inklusive Höhle), diverse Sphärenmodelle, Brücken, Stege, Schlösser, Paläste, Kathedralen, Bordelle und Treppen TreppenTreppen, die durch die Zeiten ins Unendliche führen.“ In der „Neuen Zürcher Zeitung“ hieß es vor einiger Zeit am Ende der Schilderung eines Besuchs in Einsiedeln erstaunlich lapidar, dass „der Fortbestand der notorisch unterfinanzierten und von einer Stiftung als Trägergesellschaft geführten Bibliothek ernsthaft gefährdet“ sei. Die ETH, Zürichs weltbekannte technische Hochschule, mit der die Stiftung über einen Kooperationsvertrag verbunden ist, wisse wohl nicht recht zu schätzen, was an diesem „Außenposten des Denkens“ geleistet werde. Diese Andeutung ließ die entscheidende Frage unbeantwortet: Kann es wirklich sein, dass eine der renommiertesten Forschungsbibliotheken Europas, deren kostbarer Bestand weit über die im engeren Sinne architektonische Literatur hinaus geht und spektakuläre Reisen in abgelegene Winkel der Wissenswelt bietet, um ihre Existenz fürchten muss? Dass man ihr das Geld ausgehen lässt? Und das in der reichen Schweiz?

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