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Bertrand Piccard : Ein Federgewicht mit achtzig Metern Spannbreite

Brian Jones und Bertrand Piccard umrundeten mit dem Orbiter-Ballon 1999 nonstop die Erde Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Bertrand Piccard fuhr im Ballon rund um die Welt, jetzt will er sie retten: mit einem nur durch Sonnenenergie betriebenen Flugzeug. In Winterthur baut ein internationales Team von Ingenieuren daran.

          5 Min.

          Falls die Erde ihre Erwärmung längerfristig überleben sollte, könnte ein für die Jahre zwischen 2010 und 2012 geplantes Ereignis als Begründungsmythos der Rettung in die Kulturgeschichte eingehen. An dessen Verwirklichung arbeiten derzeit Ingenieure und Techniker aus aller Welt. Sie bauen in Lausanne und in Winterthur ein Flugzeug. Die Stoffe, aus denen es hergestellt wird, müssen sie erfinden.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Das Luftgefährt wird so groß sein wie ein Airbus (achtzig Meter Spannbreite) und so schlank und leicht wie ein Segelflugzug (zwei Tonnen Gesamtgewicht), und es muss der Sonne möglichst nahe kommen: um die Solarzellen auf den Flügeln aufzuladen - damit es durch die Nacht kommt. Zwei Piloten, aber keine Passagiere werden an Bord sein. Nonstop wollen sie um den Erdball fliegen und dabei nur Sonnenenergie verbrauchen. Ausgeheckt hat diesen Plan der Schweizer Bertrand Piccard.

          Teil der Kindheit in den Vereinigten Staaten

          Es war nicht leicht für ihn, sich einen Vornamen zu machen. Bertrand ist der Sohn des weltbekannten Abenteurers, Pioniers und Erfinders Jacques Piccard, der die Meere erforschte und das Tauchboot „Bathyscaphe“ baute. Und Großvater Auguste Piccard war mit einem Ballon als erster in die Stratosphäre aufgestiegen.

          Auguste Piccard machte 1931 mit 15.781 Metern den Höhenrekord
          Auguste Piccard machte 1931 mit 15.781 Metern den Höhenrekord : Bild: dpa/dpaweb

          Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Bertrand Piccard in den Vereinigten Staaten. „Das war die Zeit der Apollo-Raumfahrt“, erzählt er. „Mein Vater kannte Wernher von Braun und die Nasa-Astronauten. Ich habe damals in Cap Kennedy allen Raketenstarts beigewohnt. Die Piloten, die Wissenschaftler, viele Forscher und Entdecker waren regelmäßig bei uns zu Gast.“

          Extremsportarten wie Deltasegeln und Tiefseetauchen

          Seit der Mondlandung galt eine Fahrt im Ballon rund um die Erde als letztes großes Abenteuer der Menschheit. Gegen Ende des letzten Jahrtausends versuchten rund ein Dutzend Teams ihr Glück, darunter auch Bertrand Piccard. Zweimal schon hatte er die Reise abbrechen müssen. Im März 2000 begann die dritte Tour, und diesmal trug ihn sein Ballon „Breitling Orbiter 3“ um die Welt. Seither ist auch der dritte Piccard berühmt. „Meine Ballonfahrt hat für die Technik rein gar nichts gebracht, mit ihr war keinerlei Fortschritt verbunden“, stellt Piccard heute nüchtern fest.

          Pionierleistungen als Selbstzweck, aus Abenteuerlust und Ehrgeiz sind ihm suspekt. Als er nach seinen Jugendjahren aus Amerika in die Schweiz zurückkehrte, betrieb er Extremsportarten wie Deltasegeln, Fallschirmspringen oder Tiefseetauchen, aber stets im Dienste der Selbstbeherrschung. Vielleicht stärker noch als die männlichen Vorfahren hat ihn die Mutter geprägt, eine Pfarrerstochter und Klavierspielerin. Piccard studierte Psychologie und hat seine Praxis in Lausanne nur während der heißen Phase seiner Ballonfahrt um die Welt geschlossen.

          „Abenteuer im Dienst einer guten Sache“

          „Diese Fahrt hat gezeigt, dass man Träume verwirklichen kann“, umreißt er ein paar Jahre danach ihre Bedeutung. Sie hat auch dem Ansehen der Schweiz in der Welt viel genutzt. „Es ist bezeichnend, dass ich danach mehr Dankes- als Gratulationsschreiben erhielt. Die Menschen spürten die Begeisterung, und das hat ihnen gefallen.“ Diese Erkenntnis ist für Piccard zur Verpflichtung geworden: „Ein kühnes Projekt muss zu etwas Nützlichem führen, für die Menschen, für die Wissenschaft.

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