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Bertelsmann-Studie zu Muslimen : Die schaffen das

Türkische Schülerin in einem Oberhausener Gymnasium (Archivbild) Bild: dpa

Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Studie zur Integration von Muslimen vorgelegt. Folgt man dem Papier, macht nur die Mehrheitsgesellschaft Fehler. Es kommt eben ganz darauf an, wie man welche Fragen stellt.

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          Die Bertelsmann-Stiftung weiß, wie man Schlagzeilen macht. Zur richtigen Zeit bringt sie das richtige Papier zu einem politisch virulenten Thema heraus, mit dem richtigen Ergebnis. Die jüngste Hervorbringung zum Thema Einwanderung treibt es auf die Spitze. Ihr Ergebnis lautet: Muslime seien in Europa, besonders in Deutschland, bestens integriert, sie seien hierzulande sogar weniger oft arbeitslos als Nichtmuslime, es hapere hingegen an der gesellschaftlichen Anerkennung. Die Kurzformel findet sich im Titel der Arbeit: „Muslime. Integriert, aber nicht akzeptiert?“ Auch FAZ.NET hat darüber berichtet.

          Das Fragezeichen ist als Aufforderung an die Mehrheitsgesellschaft und die Politik zu verstehen: Ihr müsst mehr für die Integration tun! Längeres gemeinsames Lernen sei geboten (ein Lieblingsthema der Bertelsmann-Stiftung), in der Arbeitswelt müsse die Diskriminierung hochreligiöser Muslime abgebaut, muslimische Religionsgemeinschaften müssten den christlichen Kirchen und dem Judentum gleichgestellt werden, ein positives Beispiel könne sich Deutschland an Frankreich und Großbritannien nehmen.

          Was bei dieser Studie im Argen liegt, ist schnell zu erkennen, so man nicht nur die Kurzzusammenfassung liest. Befragt wurden zwar zehntausend Muslime in Europa, davon mehr als tausend in Deutschland, Einwanderer und Flüchtlinge, die nach 2010 ins Land gekommen sind, blieben jedoch außen vor. Damit ist die Aussagekraft für die Lage hier und heute, nach dem Zuzug von mehr als einer Million mehrheitlich muslimischer Flüchtlinge in den vergangenen beiden Jahren, ziemlich reduziert. Gegen null tendiert sie, weil sie sich allein auf die Selbstauskünfte der Befragten verlässt und Fragen formuliert, die entscheidende Konfliktfelder umgehen.

          Zum Thema Religiosität etwa lautet die Erkundigung, wie oft jemand „meditiere“, das Gefühl habe, „mit allem eins zu sein“ oder „dass Gott in Ihr Leben eingreift“. Nicht gefragt wurde, ob der Koran oder das Grundgesetz als Rahmen für das gesellschaftliche Zusammenleben gelten und wie es – zum Beispiel – um das Verhältnis von Mann und Frau bestellt ist. Antisemitismus ist sicherheitshalber auch kein Thema.

          Mit Deutschland „verbunden“?

          Stattdessen wird sanft formuliert, ob man sich Deutschland „verbunden“ fühle. Darauf antworten 96 Prozent der Befragten mit „ja“. All das, was man „kulturelle Integration“ nennen könnte, interessiert die Bertelsmänner nicht nur nicht, sie lehnen dies als „Assimilation an eine wie auch immer geartete Leitkultur“ von vornherein ab. Dass tradierte Wertvorstellungen ein Integrationshindernis darstellen können, kommt in der Vorstellungswelt Marke Gütersloh nicht vor.

          Mit Blick auf die angenommene Arbeitslosigkeit von Muslimen von nur fünf Prozent gegenüber sieben Prozent bei Nichtmuslimen spricht der Soziologe Ruud Koopmans von der Humboldt-Universität in der „Neuen Zürcher Zeitung“ von „Phantasiezahlen, die nicht repräsentativ sind“. Nicht nur in diesem Punkt braucht es viel Phantasie, will man das Bertelsmann-Papier für die Beschreibung dessen halten, was ist. Es ist eine Wir-schaffen-das-Studie. Mit der macht man Schlagzeilen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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