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Berliner Waldbühne : Dicke Luft

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An der Berliner Waldbühne herrscht normalerweise keine dicke Luft, sondern ein abwechslungsreiches Programm - auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen. Bild: dapd

An der Berliner Waldbühne herrscht neuerdings rigider Kontrollwahn: Getränke dürfen nur noch in kleinen Mengen mitgebracht werden - Alkohol wird vor Ort teuer verkauft. Die Besucher werden zunehmend wütend.

          Hier bedankte sich Zarah Leander im August 1948 mit einem ellenlangen „Uiiiih“ dafür, dass die Berliner sie nicht als Nazi-Diva auspfiffen. Hier prophezeiten Kulturhüter den Weltuntergang, als 1959 Teenager nach einem Konzert von Peter Kraus („Sugar Sugar Baby“) Bänke zertrümmerten und erst durch Wasserschläuche der Feuerwehr gestoppt wurden. Was wiederum nichts ist gegen den Kulturschock, als am 15. September 1965 bei einem Konzert der Rolling Stones nicht nur Bänke demoliert wurden, sondern es zu einer vierstündigen Schlacht mit der Polizei, Wasserwerfer inklusive, kam. Kurzum: Berlins Waldbühne ist ein legendärer Ort.

          Und inzwischen ein allseits beliebter. Der Grund: umfassendes Crossover. Auf der Freilichtbühne konzertiert mal Dieter Thomas Kuhn, mal unterhält Eckart von Hirschhausen, begeisterte vor drei Tagen die „Zauberflöte“ und vor zwei Daniel Barenboims West-Eastern-Diva-Orchester. Stammgäste sind seit den achtziger Jahren die Berliner Philharmoniker. Ebenso lang nutzen Fans deren jährliches Sommer-Konzert für einen Doppelgenuss: Picknick und Klassik, Cello und Geige, Rotwein und Caprese, Bier und Kartoffelsalat, Westend und Wedding finden hier zueinander.

          Champagner in der Thermosflasche?

          Die Philharmoniker danken es regelmäßig mit dem unverwüstlichen „Das ist die Berliner Luft“ als Zugabe. Jetzt aber herrscht dicke Luft rund um die Waldbühne. Denn deren Betreiber lässt seit einiger Zeit sämtliche Besucher vor Einlass strengstens durch einen Sicherheitsdienst kontrollieren. Jedem Gast wird lediglich eine Halbliterflasche aus Plastik zugestanden; Inhalt: Wasser oder ein anderes nichtalkoholisches Getränk. Alkohol verboten, Glas verboten – Verzehr von ersterem an den horrend teuren Ständen der Betreiber erlaubt.

          Profit – das ist der wahre Grund, dass der Betreiber Eventim keinen Unterschied kennt zwischen Philharmonikern und Stones. Bis zu eineinhalb Stunden Wartezeit gibt es, weil schwarz Uniformierte in Handtaschen wühlen und an Plastikflaschenhälsen schnüffeln müssen. Die Besucher werden zunehmend wütend. Bei der „Zauberflöte“, so heißt es, kam es jetzt zu ersten Rangeleien. Vielleicht wird bald zu hören sein, dass in der Waldbühne Klassikliebhaber mit Champagner und Bier in Thermosflaschen um sich warfen.

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