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Syrische Kulturerbe : Nichts ist gut in Palmyra

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Das von der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, und der Generaldirektorin der Unesco, Irina Bokova, initiierte Berliner Expertentreffen ist deshalb der einzig richtige Weg, um auf der Fachebene gemeinsam mit den Syrern über Wege zur Rettung ihres kulturellen Erbes und zum Wiederaufbau der Welterbestätten zu sprechen. Vorbereitet wurde die von der Gerda Henkel Stiftung unterstützte Tagung gemeinsam vom Deutschen Archäologischen Institut, dem Welterbezentrum der Unesco, der Deutschen Unesco-Kommission und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Weltgemeinschaft muss sich engagieren, auch weil das Kulturerbe Syriens eine aussöhnende Kraft birgt, die dem geschundenen Land wieder auf die Beine helfen kann.

Bei der Konferenz muss es zu allererst um eine langfristige Strategie, um eine Roadmap für Syrien gehen. Dazu gehört ein Aktionsplan mit Maßnahmen zur Dokumentation der Schäden und zum Wiederaufbau zerstörter Stätten, zur Aus- und Weiterbildung syrischer Museumsfachleute („capacity building“), zum Aufbau einer Infrastruktur für den Schutz des kulturellen Erbes und nicht zuletzt auch zum Eindämmen von Raubgrabungen und illegalem Antikenhandel. Die Unesco steht mit ihrem Syrien-Engagement vielleicht vor der größten Bewährungsprobe ihrer Geschichte. Dass sie eine entscheidende Expertise einbringen kann, hat sie spätestens durch ihr Engagement in der kambodschanischen Tempelanlage von Angkor Wat unter Beweis gestellt, die sie nach Jahren des Bürgerkriegs und der Zerstörungswut während der Herrschaft der Roten Khmer retten und rekonstruieren konnte.

Kulturelle Syrien-Hilfe auch ein Thema in St. Petersburg

Wenn sich nun renommierte Experten aus aller Welt, darunter Archäologen, Denkmalpfleger, Architekten und Städteplaner, ausgerechnet in Berlin treffen, um darüber zu beraten, wie das Kulturerbe zwischen Aleppo, Damaskus und Raqqa wirksam zu schützen ist, dann hat das auch etwas mit der veränderten Rolle Deutschlands und seiner großen Kultureinrichtungen zu tun. Es geht nicht mehr nur um das Sammeln und Erforschen von Kulturgut, sondern immer stärker auch um ihren Schutz vor Ort. Die modernen Zeitläufte haben den klassischen Museumsbegriff des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts verändert und zu einem neuen Selbstverständnis geführt.

Die Kollegen unseres Vorderasiatischen Museums und des Museums für Islamische Kunst machen es vor: Versierte Museumsleute sind heute keine Gralshüter gesammelten Wissens mehr, sondern interdisziplinär geschulte und international vernetzte Experten, sowohl Krisenmanager als auch Diplomaten in ihrer Sache. Die Museen können einen fachlichen Dialog führen, der unabhängig ist von der politischen Großwetterlage, und dieses Potential müssen wir nutzen. Das gilt gerade auch für die Kontakte zu russischen Kollegen. Deshalb bin ich mir mit dem Direktor der St. Petersburger Eremitage, Michail Piotrovskij, sehr einig, dass die Syrien-Hilfe auch Thema der im Juli tagenden Arbeitsgruppe Kultur des Petersburger Dialogs sein muss. Wir stehen vor einer globalen Aufgabe, die die Hilfe aller braucht, gepaart mit dem nötigen politischen Fingerspitzengefühl.

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