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Berliner Staatsbibliothek : Bauunordnung

  • -Aktualisiert am

Berliner Staatsbibliothek: Es dauert, dauert und dauert Bild: AP

Keine Überraschung: Die Eröffnung des neuen Lesesaals in der Berliner Staatsbibliothek verschiebt sich. Dabei gab es schon im Frühjahr 2011 erste Warnsignale.

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          Die Nachricht aus dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, dass sich die für das kommende Frühjahr geplante Eröffnung des neuen Lesesaals der Berliner Staatsbibliothek „Unter den Linden“ um ein weiteres Jahr verzögert, ist für Kenner des Projekts keine große Überraschung. Zu lange schon hat das BBR durch bürokratische Hemmnisse und byzantinische Vergabepraktiken die Fertigstellung des Baus behindert.

          Dass der kreative Kopf des Vorhabens, der Stuttgarter Architekt HG Merz, im Frühjahr 2011 – nachdem der erste Eröffnungstermin geplatzt war – entnervt die Bauleitung abgab, hätte für die Zuständigen im Bundesamt ein Weckruf sein müssen. Statt dessen hieß es von dort, es sei alles bestens, der Wechsel erfolge „kosten- und terminneutral“. Vor zwölf Jahren hatte Merz mit einem lichten Kubus aus gekerbten Glasplatten den Gestaltungswettbewerb gewonnen, sechs Jahre später war Grundsteinlegung, erst 2015 soll der Umbau des Gebäudes nach jetziger Planung endgültig fertig sein. Das ist, selbst wenn man die Schwierigkeiten des Bauens im Altbestand und bei laufendem Betrieb berücksichtigt, ein katastrophales Zeitmanagement. „Elf Jahre Planungs- und Bauzeit entsprechen einem Viertel des Berufslebens – zu lang!“, hatte Merz schon vorletztes Jahr in einer Broschüre zum dreihundertfünfzigsten Jubiläum der Staatsbibliothek geschrieben.

          Dumping-Gebote

          Noch immer ließen sich, so Merz, „architektonische Individualität und Originalität“ nicht „in den behördlichen Alltag integrieren“. Es ist eben eine Sache, ein Bauprojekt nach EU-Richtlinien europaweit auszuschreiben, und eine ganz andere, es in hunderte von Kleinstaufträgen zu stückeln und dabei Dumping-Gebote anzunehmen, die bei sachgemäßer Ausführung niemals einzuhalten sind. Viele Auftragnehmer sind deshalb, wie das Bundesamt einräumt, inzwischen pleite, andere, so heißt es, seien durch den Bau des Großflughafens BBI „absorbiert“. Der „Tagesspiegel“ hat dieses Argument geprüft und als nichtig erwiesen.

          Auch das neue Planungsbüro, das die Bauleitung von Merz übernommen hat, weiß nichts von Handwerkermangel. Die Mängel, um die es hier geht, liegen offensichtlich weder bei den Arbeitern noch den Architekten, sondern bei der federführenden Bürokratie. Das Bundesamt schuldet nicht nur der Generaldirektion der Staatsbibliothek, die von der neuerlichen Verschiebung kalt erwischt wurde, sondern der gesamten Öffentlichkeit eine Erklärung. Oder eine Entschuldigung.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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