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Berliner Museumsdebatte : Die Zahlenmalerei der Monika Grütters

  • -Aktualisiert am

Eigentlich schien die Berliner Museumsdebatte schon erledigt. Doch jetzt plädiert Monika Grütters für einen Umzug der „Alten Meister“ aus der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel. Mit diesem Unsinn brüskiert sie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

          In den ersten zwei Monaten ihrer Amtszeit hat sich die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu vielerlei Themen geäußert: Raubkunst, Provenienzforschung, Filmförderung, Urheberrecht, Humboldtforum. Sie hat nicht um den Brei herumgeredet. Sie hat klare Positionen bezogen. Und sie hat dabei eine gute Figur gemacht. Aber jetzt hat sich Monika Grütters selbst ein Bein gestellt.

          In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ heizt sie den Streit um den geplanten Umzug und die Zerstückelung der Gemäldegalerie, der im vergangenen Sommer schon erledigt schien, wieder an. Es gebe „drei Varianten“, sagt sie, drei mögliche Standorte für einen Museumsneubau, zwei am Kulturforum, der dritte an der Museumsinsel; und diese drei Möglichkeiten müssten vom Bundestag „ergebnisoffen“ diskutiert werden. Schon das ist falsch.

          Eine Frage des Geldes

          Es gibt vier Varianten, die das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in einer Machbarkeitsstudie penibel geprüft hat. Drei davon liegen am Kulturforum, und jener Neubau am Kupfergraben, von dem einige Museumsdirektoren der Stiftung Preußischer Kulturbesitz immer noch träumen, kostet mehr als doppelt so viel wie jede einzelne von ihnen. „Ergebnisoffen“ darüber zu reden hieße also, vom Parlament zu verlangen, mal eben zweihundert Millionen Euro zusätzlich lockerzumachen – für eine „wichtige kulturhistorische Leistung“. Diese Leistung läge für Grütters darin, dass die „Königsdisziplin“, die Malerei der Alten Meister, auf die Museumsinsel zurückkehrte, wo sie bis 1939 residierte.

          Aber das ist ja gerade nicht der Plan der Preußenstiftung. Ihr Konzept sieht vor, die Sammlung Gemäldegalerie aufzuteilen, die Gotik und Renaissance im Bodemuseum, Barock und Rokoko in einem neuen Haus jenseits des Kupfergrabens zu zeigen, „an“ statt auf der Museumsinsel. Gegen diese Pläne ist die interessierte Öffentlichkeit vor zwei Jahren Sturm gelaufen. Die Zeit, die seither vergangen ist, hat sie um keinen Deut einleuchtender gemacht.

          Die Preußenstiftung sollte sich wehren

          Und das Kulturforum? ]Vor einem Jahr hat der Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, Michael Eissenhauer, in einer Rede erklärt, man wolle dort einen „Malerei-Schwerpunkt“ einrichten. Dazu gehörten, so Eissenhauer, die Klassische Moderne, die Bestände des Kupferstichkabinetts und das Kunstgewerbemuseum. Die Gemäldegalerie erwähnte er nicht. Zählen die Alten Meister für ihren obersten Hüter nicht zur Malerei? Oder dürfen sie nur noch als kulturhistorische Belegstücke zusammen mit Truhen, Vasen und Skulpturen ausgestellt werden?

          Eissenhauers Vorgesetzter Hermann Parzinger, der Präsident der Preußenstiftung, hat sich im Sommer ausdrücklich zum Verbleib der Gemäldegalerie am Kulturforum bekannt. In einer Stellungnahme zu dem Grütters-Interview fordert er nun eine realistische Finanzplanung des Bundes für die vielen Bau- und Sanierungsprojekte seines Hauses. Vielleicht sollte die Kulturpolitikerin Grütters lieber die Museumsprobleme von heute anpacken, statt die Gedankengespenster von gestern zu beschwören.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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