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Essen und Sprechen : Geben Sie mir ein Semmelbrötchen!

Unaussprechlich: ein Krapfen (Berliner, Pfannkuchen, Kreppel) mit Leberkäse und süßem Senf, erfunden vom Bäckermeister Perkmann aus Miesbach. Bild: dpa

Wer in Berlin zum Pfannkuchen Berliner sagt, wird scharf korrigiert. Denn es heißt doch Kreppel. Oder nein, Krapfen! Oder wie jetzt? Über regionale Sprachverwirrungen in der Küche.

          Zu den Rätseln der Küche gehört, warum manche Gerichte hier so und dort ganz anders heißen. Zum Beispiel der Berliner. Also der Pfannkuchen. Also der Kreppel. Also der Krapfen. Der wird im Augenblick wieder in Massen verspeist, denn es ist ja Karneval. (Also Fasching. Also die Hölle.) Wer in einer Berliner Bäckerei aber zum Berliner nicht Pfannkuchen sagt, sondern, au weia, Krapfen oder, noch schlimmer, Berliner, wird erst mal einen Kopf kürzer gemacht.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zugezogene machen diesen Fehler nur einmal, so scharf fällt die Zurechtweisung durch das in der Ehre offenbar tief gekränkte Verkaufspersonal aus. Man passt danach immer extra auf, es ja richtig zu sagen, bis das zum Reflex wird. Vor Jahren, als der Mordfall vom „Kannibalen von Rotenburg“ Schlagzeilen machte, titelte ein Berliner Boulevardblatt: „Hesse isst Berliner auf.“ Das heißt Pfannkuchen, dachte ich automatisch.

          Ob Touristen oder Zugezogene: Benennt man Dinge richtig, gehört man dazu. Damit fängt die Einbürgerung überhaupt erst an. Beziehungsweise die Akklimatisierung. Wer in New York ein Sandwich bestellen kann und danach auch bekommt, was er oder sie wollte, hat es geschafft. Kompliziert wird es nur, wenn man dabei an Leute gerät, die selbst eben erst zugezogen sind. Oder immer noch verwirrt. Oder einfach desinteressiert an Lokalkolorit.

          Am letzten Tag des vorigen Jahres versuchte ich, auf der Berger Straße in Frankfurt wie ein Einheimischer jenes Gebäck zu bestellen, das in Berlin Pfannkuchen heißt, in Frankfurt aber Kreppel, und das man eben auch an Silvester gern isst. „Sie meinen Berliner“, antwortete die Verkäuferin zu meiner Verzweiflung. Vielleicht war es der Stress, vielleicht war sie aber auch einfach nicht von hier.

          Dort, wo ich herkomme, sagt man wiederum „Heißmacherwurst“ zu Bockwürsten. Was Menschen, die „Wiener“ oder „Frankfurter“ dazu sagen, zum Schreien finden. Oder für den Letztbeweis regionaler Bräsigkeit. Ich finde es einfach nur präzise. Was macht man denn sonst mit einer Bockwurst? Außerdem schließt die Heißmacherwurst sämtliche Irrtümer bei der Zubereitung aus. (Der Berliner brät die Bockwurst nämlich und streut Curry und Ketchup drauf und hält das für Weltkulturerbe.) Man geht mit diesem Ausdruck einfach nur ganz sicher, wie der Typ im Bayern-Trikot, der mal auf dem Viktualienmarkt vor mir beim Metzger stand und ein „Leberkäsesemmelbrötchen“ bestellte und es trotzdem bekam, denn Münchener sind ja nun mal keine Berliner.

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