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Kunst und Geld : Berlin zahlt auch noch drauf

Ein Werk des Künstlers Bernar Venet in der neuen Kunsthalle Berlin. Bild: dpa

Neues vom Skandal um die Kunsthalle im Flughafen Tempelhof: Wie kann es sein, dass der Berliner Senat die berühmten Hallen einem privaten Verein zur kostenlosen Bespielung überlässt? Und noch hunderttausende Euro zusätzlich gibt?

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          In der vergangenen Woche er­öffnete im stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof die sogenannte „Kunsthalle Berlin“ mit einer Ausstellung des Künstlers Bernar Venet, der dort bei einer Performance mit einem Gabelstapler mehrere große Stahlskulpturen zum Umfallen brachte. Das Getöse war enorm, die Gäste aus Wirtschaft und Politik – unter ihnen Andreas Scheuer und der ehema­lige Regierende Bürgermeister Michael Müller – waren sehr beeindruckt. Der Krach, den die Kunsthalle außerhalb der Ausstellung verursacht, ist allerdings noch größer: Der Verband Berliner Künstlerinnen und Künstler protestiert gegen die Kunsthalle, die Künstlerin Candice Breitz startet einen vielfach ge­teilten Boykottaufruf, der Künstler auffordert, ihre Werke nicht an diesem Ort zu zeigen. Was ist passiert?

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Als Ende des vergangenen Jahres be­kannt wurde, dass der seit Jahren leer stehende Flughafen Tempelhof als Kunsthalle genutzt werden solle, waren die Reaktionen euphorisch. Seit Jahren hatten Künstler der freien Szene sich zur Arbeitsgemeinschaft Tempelhof zusammengetan und kluge und gut umsetzbare Pläne für die künstlerische Nutzung des Flughafens entwickelt: Sollte die Stadt sich also mit diesen Künstlern zusammengesetzt und endlich erkannt haben, dass sie in ihr größtes leer stehendes Ge­bäude, ein Baudenkmal von Weltrang, investieren muss? Würde die Stadt im Flughafen Stätten für die Produktion von Kunst und Ausstellungsflächen einrichten – und damit die Kunstszene, mit de­ren Lebendigkeit Berlin so gern Werbung macht, unterstützen, was dringend notwendig ist nach zwei Pandemie­jahren, in denen die Künstler keine Ausstellungen hatten, kaum etwas verkaufen konnten und durch die dramatisch steigenden Mietpreise in eine existenz­bedrohliche Lage geraten sind? Sicher wä­re das teuer, aber der Bund könnte helfen, und schließlich ist ja auch Geld für ein halbmilliardenteures „Museum der Moderne“ da und für ein nachge­bautes Schloss.

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