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Arendt-Ausstellung im Netz : Macht sie uns nicht passend!

Ihre Haltung mochte noch so lässig sein, sie nahm die Dinge ernst: Hannah Arendt, 1944. Bild: Fred Stein Archive/VG Bild-Kunst

Die große Berliner Ausstellung über Hannah Arendt setzt erst mal auf digitale Kultur. Ob sie ausreicht, um unsere Urteilskraft im Sinne der kritischen Publizistin zu schärfen?

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          Fast nebenbei hat Hannah Arendt einmal eine Bemerkung gemacht, die man gern jeder Diskussion über das historische Urteilen voranstellen würde. So schreibt sie 1964 in ihrem Eichmann-Buch: „Das Argument, dass man nicht urteilen kann, wenn man nicht dabeigewesen ist, überzeugt jedermann überall, obwohl es doch offenbar sowohl der Rechtsprechung wie der Geschichtsschreibung die Existenzberechtigung abspricht. Im Gegensatz zu diesen Konfusionen ist der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit, den man gegen die Urteilenden erhebt, uralt, aber er ist darum nicht begründeter.“

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Hannah Arendt scheute sich nicht, zu urteilen – eigensinnig und unbeirrt auch dann, wenn ihr massive Kritik entgegenschlug, wie das in den Kontroversen um ihr Buch über den Eichmann-Prozess in Jerusalem der Fall war. In Adolf Eichmann, einst SS-Obersturmbannführer und des millionenfachen Mordes an den Juden angeklagt, erkannte sie die „Banalität des Bösen“ und löste damit große Empörung aus. Sie sei ihm auf den Leim gegangen, wurde ihr vorgeworfen, und verharmlose das Verbrechen, weil sie nicht die Grausamkeit, sondern das Banale der Nazis hervorhob. Dabei hatte sie eigentlich genau das Gegenteil gesagt: Gerade in der Banalität liege doch das Beunruhigende. Wer sich die Nazis als Monster vorstelle, laufe nicht Gefahr, die Frage nach der eigenen Schuld zu stellen. Die Normalität Eichmanns sei „viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen“.

          „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“

          Darum also ging es: Die Täter waren wie viele – und nicht Dämonen, die mit der eigenen Lebenswirklichkeit nichts zu tun hatten. Arendt stellte die entscheidenden Fragen ihrer Zeit. Wer die Geistesgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts verstehen will, kommt nicht an ihr vorbei. Das öffentliche Interesse an ihrer Person und Wirkungsgeschichte ebbt nicht ab. Es gibt unzählige Literatur, Filme, Audio- und Videomaterial; das legendäre Fernsehinterview mit Günter Gaus von 1964 ist längst auf Youtube zugänglich, wo es sogar einen eigenen „ArendtKanal“ gibt.

          Studentenausweis von Hannah Arendt

          Mit einer großen Ausstellung wollte das Deutsche Historische Museum in Berlin (DHM) einen neuen Zugang wagen. Die Eröffnung musste ausfallen, doch nun ist sie auf der Website des Museums in Teilen online zu sehen, und man gewinnt immerhin einen Eindruck, wie es hätte werden können – und allein schon das macht Lust auf mehr. Interesse weckt die Ausstellung nicht allein aufgrund der historischen Relevanz der politischen Philosophie Arendts, sondern weil sie vor allem dort zu Widerspruch reizt, wo Arendts Denkungsart für den politischen Konsens der Gegenwart adaptiert wird.

          Ein Beispiel dafür ist die Rezeption Arendts aus feministischer Perspektive. Das Museum arbeitet mit Bildausschnitten und Hörcollagen. Teilweise ist Arendt im Originalton zu hören, andere ihrer Texte werden – ein wenig zu gewollt – von der Schauspielerin Bibiana Beglau gesprochen. Einen längeren Audiobeitrag gibt es zur Frage, warum Arendt keine Feministin gewesen sei. In der Tat machte sie die Geschlechterfrage nicht zu ihrem Thema. Im Interview mit Günter Gaus erklärt sie, das habe für sie persönlich keine Rolle gespielt: „Ich habe einfach gemacht, was ich machen wollte, und ich habe mir nie überlegt, dass das gewöhnlich Männer machen, und jetzt macht das eine Frau.“

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