https://www.faz.net/-gqz-7m62h

Berlinale : Wer war eigentlich Yves Saint Laurent?

  • -Aktualisiert am

Pierre Niney als Yves Saint Laurent in „Yves Saint Laurent“ Bild: Tibo & Anouchka - SND

Die Hommage an Yves Saint Laurent eröffnet die Berlinale-Reihe Panorama. Doch der Film von Jalil Lespert verliert den Modedesigner aus dem Blick.

          Pierre Bergé, 83, ehemaliger Lebens- und Geschäftspartner von Yves Saint Laurent, soll in Tränen ausgebrochen sein, als er Pierre Niney, den Schauspieler, der Saint Laurent nun in einem Kinofilm spielt, zum ersten Mal in Kostüm sah. So ist es überliefert. Aber worüber? Denn besonders ähnlich sieht Pierre Niney, 24, Yves Saint Laurent nicht, auch nicht dem jungen, dann eher schon Bambi, so mädchenhaft hübsch, wie er ist.

          Der Schauspieler wusste übrigens gar nicht, um wen es sich handelte, als ihm diese Rolle angeboten wurde. Er habe wohl den Namen schon mal gehört gehabt, erzählte er in einem Interview, und zwar, als er für eine Hochzeit einen Anzug brauchte: „Alle sagten mir, ich solle YSL nehmen, das habe einfach am meisten Klasse. Ich dachte, YSL wäre eine Kleidergröße.“ Dann aber hat er recherchiert. Hat sich die eigentümliche Art zu sprechen draufgeschafft, die der in Algerien geborene Modemacher hatte – leise, weich und wie unter Sedativen. Na, und mit so einer eckigen Hornbrille, wie er sie trug, sieht ja ohnehin jeder ein bisschen aus wie Yves Saint Laurent.

          Yves Saint Laurent mit Paloma Picasso im November 1971

          Yves Saint Laurent (1936–2008) hat, wie man so sagt, die Mode revolutioniert, ob das nun das Leben jeder Frau berührt hat oder nicht. Er hat den Smoking für Frauen erfunden, Safari-Look stadttauglich gemacht, Farben miteinander kombiniert, die zu kombinieren vorher als Verbrechen galt, und andere schöne Einfälle gehabt, etwa Mondrian-Quadrate in etwas zum Anziehen zu verwandeln. Auf seinem Gebiet war er vermutlich genial. Dazu offenbar ein hochkomplizierter Mensch, zwischen überglücklich und am Boden zerstört oszillierend, mit Hang zu Drogen und Alkohol. Wie verfilmt man nun so ein flimmerndes, manisch-kreatives Leben?

          Der französische Regisseur Jalil Lespert hat sich entschieden, es als Liebesgeschichte zu erzählen. Und eigentlich steht bei ihm nicht der labile Künstler im Mittelpunkt, sondern dessen Partner und Stütze Pierre Bergé, der im Film als unendlich gütig, liebenswürdig und geduldig geschildert wird. Und trotz mondäner Zutaten wie Models, Marrakesch, Nikolai Kinski (sehr überzeugend) als Karl Lagerfeld, einer Dachterrasse mit Blick auf den Arc de Triomphe oder Kokain ist der Film kreuzbrav und bieder, als ginge es um den Erfinder des Quelle-Katalogs. Wer auch immer Yves Saint Laurent war: einen so harmlosen Film hat er nicht verdient.

          Weitere Themen

          Nationalerbe zu verkaufen

          Hotel La Mamounia : Nationalerbe zu verkaufen

          Während der Konferenz zur Unterzeichnung des UN-Migrationspakts in Marrakesch ist das legendäre Hotel La Mamounia wieder ausgebucht. Zum Entsetzen vieler Marokkaner soll es privatisiert werden.

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Erste Präsidiumssitzung : CDU-Führung bemüht sich weiter um Merz

          Bei der ersten CDU-Präsidiumssitzung nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauers geht es auch um den Unterlegenen: Friedrich Merz solle „sichtbar“ bleiben in der Partei, wird sich gewünscht. Und die neue Parteichefin macht eine Ankündigung.
          Wenn die ganze Welt so aussieht, hat der Umweltaktivismus verloren: Das Kohlekraftwerk Schkopau und der Chemiekonzern Dow Chemical bei Halle

          FAZ Plus Artikel: Umweltanwalt James Thornton : Der Vollstrecker

          Die Klimaschützer von Paris haben jetzt ein Regelwerk, dieser Mann hat einen Plan: Für den Umweltanwalt James Thornton war der Angriff auf die Autoindustrie nur ein Anfang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.