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Berlinale : Wer war eigentlich Yves Saint Laurent?

  • -Aktualisiert am

Pierre Niney als Yves Saint Laurent in „Yves Saint Laurent“ Bild: Tibo & Anouchka - SND

Die Hommage an Yves Saint Laurent eröffnet die Berlinale-Reihe Panorama. Doch der Film von Jalil Lespert verliert den Modedesigner aus dem Blick.

          Pierre Bergé, 83, ehemaliger Lebens- und Geschäftspartner von Yves Saint Laurent, soll in Tränen ausgebrochen sein, als er Pierre Niney, den Schauspieler, der Saint Laurent nun in einem Kinofilm spielt, zum ersten Mal in Kostüm sah. So ist es überliefert. Aber worüber? Denn besonders ähnlich sieht Pierre Niney, 24, Yves Saint Laurent nicht, auch nicht dem jungen, dann eher schon Bambi, so mädchenhaft hübsch, wie er ist.

          Der Schauspieler wusste übrigens gar nicht, um wen es sich handelte, als ihm diese Rolle angeboten wurde. Er habe wohl den Namen schon mal gehört gehabt, erzählte er in einem Interview, und zwar, als er für eine Hochzeit einen Anzug brauchte: „Alle sagten mir, ich solle YSL nehmen, das habe einfach am meisten Klasse. Ich dachte, YSL wäre eine Kleidergröße.“ Dann aber hat er recherchiert. Hat sich die eigentümliche Art zu sprechen draufgeschafft, die der in Algerien geborene Modemacher hatte – leise, weich und wie unter Sedativen. Na, und mit so einer eckigen Hornbrille, wie er sie trug, sieht ja ohnehin jeder ein bisschen aus wie Yves Saint Laurent.

          Yves Saint Laurent mit Paloma Picasso im November 1971

          Yves Saint Laurent (1936–2008) hat, wie man so sagt, die Mode revolutioniert, ob das nun das Leben jeder Frau berührt hat oder nicht. Er hat den Smoking für Frauen erfunden, Safari-Look stadttauglich gemacht, Farben miteinander kombiniert, die zu kombinieren vorher als Verbrechen galt, und andere schöne Einfälle gehabt, etwa Mondrian-Quadrate in etwas zum Anziehen zu verwandeln. Auf seinem Gebiet war er vermutlich genial. Dazu offenbar ein hochkomplizierter Mensch, zwischen überglücklich und am Boden zerstört oszillierend, mit Hang zu Drogen und Alkohol. Wie verfilmt man nun so ein flimmerndes, manisch-kreatives Leben?

          Der französische Regisseur Jalil Lespert hat sich entschieden, es als Liebesgeschichte zu erzählen. Und eigentlich steht bei ihm nicht der labile Künstler im Mittelpunkt, sondern dessen Partner und Stütze Pierre Bergé, der im Film als unendlich gütig, liebenswürdig und geduldig geschildert wird. Und trotz mondäner Zutaten wie Models, Marrakesch, Nikolai Kinski (sehr überzeugend) als Karl Lagerfeld, einer Dachterrasse mit Blick auf den Arc de Triomphe oder Kokain ist der Film kreuzbrav und bieder, als ginge es um den Erfinder des Quelle-Katalogs. Wer auch immer Yves Saint Laurent war: einen so harmlosen Film hat er nicht verdient.

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