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Berlinale-Regisseure im Gespräch : Jedes Land hat die Filme, die es verdient

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Die Wettbewerbsteilnehmer (von links): Feo Aladag („Zwischen Welten“), Dietrich Brüggemann („Kreuzweg“) und Edward Berger („Jack“) Bild: Jens Gyarmaty

Deutsche Soldaten in Afghanistan, katholischer Fundamentalismus, Kinder auf der Suche nach ihrer Mutter: Unterschiedlicher könnten die deutschen Beiträge im Berlinale-Wettbewerb nicht sein. Ihre Regisseure geben Auskunft.

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          Was bringt die Berlinale Ihrem Film? Was erwarten Sie?

          Feo Aladag: Aufmerksamkeit für die Arbeit der Menschen, die diesen Film gemacht haben. Der Gedanke, dass Filme miteinander in Konkurrenz treten, war mir früher immer fremd. Inzwischen bin ich sehr froh, dass wir hier im Wettbewerb laufen.

          Dietrich Brüggemann: Ein Wettbewerb ist natürlich einerseits Quatsch, andererseits vermisse ich bei den Beteiligten oft den Gedanken, dass er Quatsch ist. Es ist auch eine bittere Wahrheit: Nicht alle Filme sind gleich gut. Deswegen ist es auch immer wieder spannend, was herauskommt, wenn hochkarätige Filmschaffende in einer Jury zusammengesperrt werden. Kunst ist ja, was jeder Einzelne an seiner Werkbank zusammenschraubt, aber es ist als Ganzes auch ein Diskurs, der aus vielen Entscheidungen, Gesprächen und kreativen Auseinandersetzungen besteht, und Festivals sind ein Teil davon.

          Edward Berger: Ich habe den Wettbewerbsgedanken gar nicht so sehr realisiert. Es ist ein Geschenk für mich, bei einem großen Festival wie der Berlinale dabei zu sein, und ich habe auch nicht das Gefühl, jetzt gegen euch antreten zu müssen. Es ist eine Bestätigung meiner Arbeit, zumal wenn man einen kleinen, eher günstigen Film gemacht hat.

          Was heißt günstig?

          Berger: Eine knappe Million Euro, bei 48 Drehtagen, weil man mit Kindern nur fünf Stunden am Tag drehen kann.

          Aladag: Bei mir waren es etwa 2,7 Millionen.

          Brüggemann: Bei uns war es auch etwa eine Million, Kinder oder Jugendliche in jeder Szene und 14 Drehtage.

          Man hört ja immer wieder die These, auch in Ihrem Blog, Herr Brüggemann, es gebe im Grunde nur noch zwei Sorten Filme in Deutschland: Museums- oder Festivalfilme und Filme für das Publikum. In welche Kategorie fallen denn Ihre Filme?

          Aladag: „Zwischen Welten“ ist eher der Versuch, diese Kluft zu überbrücken, und das ist schwierig. Ich hoffe natürlich, dass viele Menschen sich den Film ansehen, andererseits weiß ich, dass er auch kein „leichtgängiger“ Film ist. Dennoch: Ich glaube, es gibt nach wie vor viele Filme, die auf Festivals laufen und dabei sowohl einen künstlerischen Anspruch verfolgen als auch später an der Kinokasse die Gunst des Publikums erfahren. Das schließt sich nicht immer aus.

          „Die besten Filme sind meist von Regisseuren, die selber schreiben“: Edward Berger

          Brüggemann: Man gibt sich ja gerne der Illusion hin, der eigene Film passe in keine Schublade, aber das ist Quatsch, es gibt diese Trennung, weil der Betrieb so funktioniert, es gibt sie aber auch in den Filmen selber. Ich würde es nur verfeinern. Es gibt auf einer Skala ganz außen das harte Arthouse-Kino, das nur seiner künstlerischen Kompromisslosigkeit folgt, das sind zum Beispiel Haneke oder Weerasethakul. Es gibt das gemäßigte Arthouse, wie Kaurismäki oder Woody Allen, es gibt künstlerisch verbrämte Unterhaltungsfilme, die noch vom Feuilleton gelobt werden wollen, da nenne ich jetzt keine Namen, und dann gibt es den harten Mainstream. Die qualitative Skala verläuft auf einer anderen Ebene, denn es gibt in jedem dieser Bereiche gute und schlechte Filme.

          Und wo findet sich Ihr „Kreuzweg“ auf dieser Skala?

          Brüggemann: Hartes Arthouse, ganz klar.

          Berger: „Jack“ ist auch ganz klares Arthouse. Aber das muss doch nicht einschränkend sein. Natürlich muss man es realistisch einschätzen von den Zuschauerzahlen, die man erwarten darf. Aber weil der Film so günstig war, kann er auch mit weniger Zuschauern erfolgreich sein, wir haben auch keine Förderung, die wir zurückzahlen müssen. Ich fühle mich seit meiner Zeit in Amerika dem dortigen Independent-Kino eines Todd Solondz oder Todd Haynes sehr verbunden, und ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es ein solches Publikum für konsumierbare Arthouse-Filme auch hier geben kann.

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