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Berlinale 2014 : Festival des Weltkinos

  • -Aktualisiert am

Auch wenn es am Potsdamer Platz danach aussieht: die Berlinale ist mehr als ein Kessel Buntes Bild: dpa

Sie ist der Marathon der Filmkritiker und bleibt für das Kinopublikum ein Mysterium. Die Berlinale geht zu Ende. Was ist aus dem Kinofestival des freien Westens geworden?

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          Wer vierzig Filme in zehn Tagen durchsitzt, hat nachher selten gute Laune. Kein Wunder also, dass die Berichte von den Berliner Filmfestspielen, die an diesem Samstag mit der Verleihung der Goldenen und Silbernen Bären zu Ende gehen, wie gewohnt etwas muffelig und genervt klingen.

          Die Kritiker sehen eben lieber das halb leere als das halb volle Glas. Machen wir es also diesmal umgekehrt, sagen wir, es war eine gute Berlinale. Es gab zwei herausragende und eine Handvoll ansehnliche Filme im Wettbewerb, es gab viele interessante Beiträge in den Nebenreihen, und wie immer stürzte sich das Publikum auf die Kinokarten – es wurde fast eine halbe Million Zuschauer gezählt. Was folgt daraus?

          Eine undurchschaubare Struktur

          Die Berlinale ist nun schon einige Jahre dabei, sich ein weiteres Mal neu zu erfinden. Als Festival des freien Westens wurde sie mitten im Kalten Krieg gegründet. Dann war sie eine Brücke zwischen Ost und West, auf der sich die Werke der Dissidenten von jenseits des Eisernen Vorhangs mit den Autorenfilmen aus Europa und Amerika trafen.

          Jetzt, im 21. Jahrhundert, will sie ein Festival des Weltkinos sein. Das ist ein großer Begriff, und wie alle großen Begriffe neigt er dazu, ins Wolkige zu zerfließen. Die Berlinale selbst gleicht inzwischen einer gewaltigen Wolke von Filmen, die sich für zehn Tage über der Hauptstadt niederlässt, ohne dass ihre Struktur für normale Besucher noch erkennbar wäre. Laufen die besten Filme wirklich im Wettbewerb? Bietet die Reihe „Kulinarisches Kino“ zu den Menü-Kreationen von Sterneköchen auch filmische Spitzenkost?

          Im Grunde geht es der Berlinale wie dem vom Bund geplanten Humboldtforum im Berliner Schloss, das auch ein Weltkulturenereignis werden soll. Aber ohne zündende Leitidee wird es vielleicht doch nur ein Völkerkundemuseum mit angeschlossenem Vergnügungstrakt, so wie die Filmfestspiele eben auch nicht „das“ Weltkino, sondern nur eine Menge Filme aus aller Welt zeigen. Damit das Festival mehr ist als ein alljährlich im Februar aufgetischter Kessel Buntes, wird sich Direktor Dieter Kosslick auf die Kardinaltugend kluger Haushälter besinnen müssen: auf’s Sparen. Auch in diesem Jahr liefen wieder Filme im Hauptprogramm, die nicht in den Wettbewerb eines A-Festivals gehören. Und auch in den anderen Sektionen war viel Luft. Hier wie überall gilt: Weniger ist mehr. Und macht bessere Laune.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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