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Eine halbe Woche Berlinale : Sprechen wir also vom Glück

  • Aktualisiert am

Diane Kruger Lea Seydoux und Virginie Ledoyen vor der Premiere ihres Films „Les Adieux A La Reine“, mit dem die Berlinale eröffnet wurde Bild: dapd

So hat die Berlinale angefangen: mit einer Königin, Angelina Jolie, Nina Hoss und Eisenstein

          5 Min.

          Kostüme sind immer ganz hübsch, wenn irgendwo gefeiert wird, nicht nur im Karneval. Auch zum Filmfestivalauftakt werden sie gern genommen, weil sie Schauwerte, Opulenz und das Flair ferner Zeiten bieten, die glorreicher wirken als die Gegenwart. „Les Adieux à la Reine“, der Eröffnungsfilm der 62. Berlinale, zeigt die französische Revolution mal aus der Kammerdienerperspektive. Benoît Jacquot fragt allerdings nicht weiter, ob das sonderlich ergiebig ist oder was einen heute daran interessieren könnte, wie es Sofia Coppola in „Marie Antoinette“ (2006) allein durch die Art ihrer Inszenierung getan hat. Und Diane Kruger hat als Königin nicht den Charme des verzogenen Kindes, die Verspieltheit und Leichtigkeit einer Kirsten Dunst.

          Der Film spielt an vier Tagen im Juli 1789, in denen das Ancien Régime zerbricht, und in Versailles geht die Angst um bei Herr und Knecht. Mindestens so sehr wie für die Gesichter interessiert sich die unruhige Kamera dabei für die Dekolletés bei Hofe, was aber auch nicht sonderlich viel dazu beiträgt, der Geschichte der königlichen Vorleserin (Léa Seydoux), die ihre Herrin so sehr liebt, dass sie sich für deren Zwecke einspannen lässt, allzu viel abzugewinnen. Mehr als die bescheidene Einsicht, dass es auch im Volk Menschen gab, die nicht alle Aristokraten auf dem Schafott sehen wollten, kommt da nicht heraus.

          Glamour wird hier wohl an diesem Sonntag Abend nicht aufkommen: Schloss Bellevue

          Vielleicht hätte man ja, um der Sache etwas Nachdruck zu verleihen, den Eröffnungsempfang unter ein zum Film passendes Motto stellen sollen: Schwelgen wie bei Ludwig XVI., und alle hätten erscheinen müssen wie bei Hofe. Aber in Berlin geht das ja nicht, nicht nur, weil das Unglück der Deutschen, wie Max Weber gesagt haben soll, sich darin zeige, dass sie nie einen Hohenzollern geköpft hätten. Im Berlinale-Palast wurde erwartungsgemäß niemand geköpft. Geschwelgt wurde auch nicht, obwohl die Qualität der Buffets sich seit dem Amtsantritt von Dieter Kosslick auf konstant gutem Niveau hält. Es versammelte sich die altbekannte Berlinale-Gemeinde, so dass es einem oft wie daheim vorm Fernsehen ging, weil man die bekannten Gesichter halt aus Serie und Politik kennt. Sie tragen nur eine etwas andere Garderobe, was am Ende dann zwar auch zu einem gewissen Verkleidungseffekt, aber nicht zu bourbonischem Glamour führt, was nicht bloß daran liegt, dass der Musical-Palast am Potsdamer Platz nicht der Spiegelsaal von Versailles ist.

          Glamour wird wohl an diesem Sonntag Abend auch beim Bundespräsidenten ausbleiben, der erstmals zum Berlinale-Empfang bittet und auf der Einladung empfiehlt: „dunkler Anzug / kurzes Kleid“. Es könnte allerdings auch ganz schön einsam um das Gastgeberpaar werden im großen Schloss Bellevue, weil die Nachfrage bei einer Handvoll geladener Filmschaffender ergab, dass sie den Termin dann lieber doch nicht wahrnehmen möchten.

          PETER KÖRTE

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