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Berlinale-Regisseure im Gespräch : Kinoregie will Autonomie

  • Aktualisiert am

Nina Hoss in Christian Petzolds „Barbara“ Bild: Reuters

Kann der deutsche Film zwischen Festivaljurys und Fernsehen unabhängig bleiben? Christian Petzold, Hans-Christian Schmid und Matthias Glasner haben Filme im Berlinale-Wettbewerb und antworten.

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          Sie waren alle drei schon mehrfach mit Filmen im Wettbewerb der Berlinale vertreten. Warum probieren Sie es nicht mal in Cannes?

          Christian Petzold: Festivals, die einander die Filme wegschnappen oder die Jury-Präsidenten, das ist für mich eine Welt, in der ich nicht zu Hause bin. Wenn ich einen Film fertig habe - und ich habe jetzt einen Film gemacht, der im weitesten Sinne von deutscher Geschichte handelt - dann denke ich, dass der Film eher in Berlin seinen Ausgangspunkt nehmen soll. Man muss zwar ein bisschen an seiner Karriere arbeiten, aber man sollte nicht so viel Zeit auf diesen Quatsch verschwenden. Außerdem laufen ja in Cannes auch nicht nur tolle Filme.

          Mit seinem Film „Barbara“ im Wettbewerb vertreten: Christian Petzold

          Matthias Glasner: Ich bin ein großer Fan von Cannes. Das ist die Champions League, das Beste, was es jedes Jahr gibt. Für mich hat es auch immer einen sportlichen Charakter, ich habe keine Lust, mich auf diese künstlerische Seite zu schlagen. Ich mache mir solche Gedanken, ja. Und ich weiß von den meisten meiner Kollegen, dass sie daran denken. Aber wenn ich mir angucke, was wir so machen, dann fehlt es da einfach ein bisschen an Radikalität und Originalität, vielleicht auch den Größenwahnsinn, den man in Cannes braucht.

          Hans-Christian Schmid: Cannes ist auch weniger berechenbar. Wenn ich da einen Film hinschicke, habe ich keine Ahnung, was mit dem passiert, ich kann noch nicht mal eine Prognose wagen, ob er Chancen hat oder nicht. Das ist bei der Berlinale mittlerweile anders. „Lichter“ war mein erster Film dort, er wurde genau zur Berlinale fertig und in den Wettbewerb eingeladen. Mit „Requiem“ waren wir im Sommer fertig. Ich habe dann gleichzeitig an Marco Müller in Venedig und an Dieter Kosslick in Berlin eine Email geschickt: Ihr könnt beide gucken, wer zuerst zusagt, bekommt den Film. Ich war als Produzent völlig unerfahren und wusste nicht, dass man das eigentlich nicht so macht. Aber die Berlinale wollte den Film - und so hat sich über die Jahre eben eine Beziehung entwickelt.

          Sie haben von Radikalität gesprochen. Finden Sie sich selber denn radikal und originell genug für Cannes?

          Glasner: Nein. Ich habe einmal einen Film dort eingereicht, habe mich bequatschen lassen, das zu tun, obwohl ich mich eigentlich unwohl damit gefühlt habe. Man hat den Film dann nicht genommen, und ich fand es auch richtig so.

          Sie gucken so skeptisch, Herr Schmid?

          Schmid: Ja, weil ich es eher wie Christian Petzold empfinde, dass auch in Cannes starke und schwache Filme laufen. Ich wüsste auch nicht, ob Cannes radikaler ist als Berlin. Ich versuche ohnehin, meine Arbeit möglichst losgelöst von solchen Kriterien zu sehen. Wie sollte ich es sonst aushalten können, wenn mein nächster Film mal nicht mehr zu einem Festival eingeladen wird?

          Festivals sind ja längst nicht mehr nur Feiertage des Kinos. Sie sind Märkte, sie bilden fast so etwas wie eine Schattenökonomie, weil dort Filme gefeiert werden, die nie eine Kinoauswertung erleben. Ist das auch ein Motiv, seinen Film auf Festivals zu geben?

          Schmid: Ja, weil Festivals für den Weltvertrieb wichtig sind. Als Produzent muss ich immer auch Eigenmittel in den nächsten Film stecken, und die kommen am ehesten über Auslandsverkäufe, wenn schon nicht über die deutsche Kinokasse.

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