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Korea bei der Berlinale : Eine Zwiebel für die Tränen der Yuppies

  • -Aktualisiert am

Belanglosigkeiten einer Beziehung Bild: dpa

Der koreanische Film ist auf der Berlinale 2011 äußerst gut vertreten. Gleich zehn Filme sind dabei, darunter einer im Wettbewerb: Lee Yon-ki zeigt porträtiert eine Beziehung, wie sie westlicher nicht sein könnte.

          4 Min.

          Ein Beziehungsgespräch auf einer Autofahrt gibt einem ganzen Film sein atmosphärisches Muster vor: Eine Frau und ein Mann, offenkundig ein Paar, reden freundlich miteinander über alltägliche Belanglosigkeiten. Es gibt lange Pausen, viel hat man sich wohl nicht zu sagen. Der Tonfall der Frau scheint unbeteiligt, aber hinter der Gleichgültigkeit wird doch schnell spürbar, dass da etwas nicht stimmt. Und tatsächlich: Kurz darauf sagt sie ihm, mit kaum gesteigerter Leidenschaft in der Stimme, dass sie ihn verlassen wird. So beginnt „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ („Saranghanda, Saranghadji Anneunda“) der zweite Film des Koreaners Lee Yon-ki, der vor ein paar Jahren mit „This Charming Girl“ im Forum beachtlich debütierte. Sein neues Werk läuft nun im Wettbewerb.

          Später zeigt der Regisseur das Paar an einem der letzten Tage der gemeinsamen Beziehung fast nur in seiner Wohnung. Immer wieder gibt es Gespräche, die banal über so Alltägliches kreisen wie Pastarezepte oder die Wahl der richtigen Kaffeetasse. Draußen regnet es in Strömen, was auch nicht gerade zur Aufhellung der Stimmung beiträgt. Aber allmählich entfaltet sich im Porträt dieser zwei etwa Dreißigjährigen die condition emotionale einer ganzen Schicht: jener überdurchschnittlich ausgebildeten und gutsituierten jüngeren Erwachsenen, wie man sie in allen westlichen Gesellschaften findet; Menschen, die materiell ohne Sorgen, innerlich aber leer sind, die mit ihren Gefühlen nicht umgehen können, deren einstiger Freiheitsdrang längst von Angst und im Prinzip unerklärlichem Sicherheitsbedürfnis abgelöst wurde.

          Das Ersticken der Freiheit im Materialismus

          Weinen können diese Menschen nur noch, wenn sie in ihrer Luxusküche Zwiebeln schneiden. Zum emotionalen Anker wird in diesem Film eine Katze, die beiden im Regen zuläuft - das Tier verbindet den Film auf überraschende Weise mit Miranda Julys Film „The Future“ in der ebenfalls eine Katze zum Trennungskatalysator für neurotische Thirtysomethings wird. Lee hat einen schön fotografierten, gut gespielten Film gemacht, der Geduld verlangt. Die hätte man dieser Komödie der Melancholie an einem der ersten Wettbewerbstage bestimmt noch etwas bereitwilliger entgegengebracht als nun kurz vor Schluss.

          Materiell ohne Sorgen, innerlich aber leer: das Paar aus „Kommt Regen, kommt Sonnenschein”
          Materiell ohne Sorgen, innerlich aber leer: das Paar aus „Kommt Regen, kommt Sonnenschein” : Bild: dpa

          Dem Film fehlt das emotionale Zentrum, er wirkt, als wäre er selbst ein Beispiel für jenes wunschlose Unglück, von dem er erzählt. Ein interessanter Einfall ist aber zumindest das große Haus, in dem das Paar lebt und das zunehmend ein Eigenleben entfaltet: Vollgestopft mit viel zu vielen Wohlstandgütern und all dem Strandgut aus früheren Zeiten, das man nicht mehr braucht, aber aus Sentimentalität nicht wegwerfen kann, symbolisiert es die immer geringere Offenheit der Menschen, das Ersticken der Freiheit im Materialismus.

          Einer von zehn Filmen aus Korea

          „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ ist der einzige asiatische Film im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale. Warum ausgerechnet er? Und woran liegt es überhaupt, dass die aufstrebende Filmregion Asien, die doch auf der Berlinale entdeckt wurde, im Fetsivalprogramm eine immer geringere Rolle spielt. Am koreanischen Kino kann es jedenfalls nicht liegen, denn das Land verfügt seit Jahren über eine erstaunliche stilistische Vielfalt und interessante Regisseure. So verwundert es nicht, dass „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“ nur einer von zehn Filmen aus Korea ist, die in Berlin gezeigt werden.

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