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Im Gespräch: Joel und Ethan Coen : John Wayne zu ersetzen war nicht schwer

  • Aktualisiert am

Mit ihrem Film „True Grit“ wird morgen die Berlinale eröffnet: Ein Gespräch mit den Regisseuren Joel und Ethan Coen über störrische Pferde, Spielbergs Hilfe und den Anteil an Unbekümmertheit und Ernst in ihren Filmen.

          5 Min.

          „True Grit“ von den Coens, das klingt wie ein Scherz, den sich die Brüder Joel und Ethan selbst ausgedacht haben könnten. Das Remake eines Westerns, bei uns unter dem Titel „Der Marshal“ besser bekannt, eines Spätwesterns, für den John Wayne 1970 seinen einzigen Oscar erhielt. Und dieses Remake hat inzwischen in Amerika erstaunliche 150 Millionen Dollar eingespielt, ist für zehn Oscars nominiert und damit neben „The King's Speech“ einer der Favoriten. „True Grit“ erzählt die Geschichte vom ruppigen Marshall Rooster Cogburn und der 14-jährigen Mattie, die den alten Mann anheuert, um den Mord an ihrem Vater zu rächen. Anders als der alte Film von Henry Hathaway steht bei den Coens die junge Mattie im Mittelpunkt (gespielt von der Debütantin Hailee Steinfeld), was nicht heißt, dass Jeff Bridges nicht ein sehr würdiger John-Wayne-Nachfolger wäre. Im Gespräch geben sich Joel, 56, und Ethan Coen, 53, die 2008 für „No Country for Old Men“ schon vier Oscars gewannen, wie man sie kennt: mit jenem notorischen Unernst, der so gut davon ablenkt, dass sie ihre Arbeit schon immer sehr ernst genommen haben.

          Haben Sie gezögert, nach „Ladykillers“ schon wieder ein Remake zu machen?

          Ethan: Nein, vielleicht hätten wir es tun sollen. Wissen Sie, solche Projekte sind das Produkt gründlicher Überlegung einerseits und sorgloser Gedankenlosigkeit andererseits! (Lacht.) Und der Anteil an Unbekümmertheit ist nicht zu unterschätzen!

          Verspielt und ernsthaft: Ethan (links) und Joel Coen
          Verspielt und ernsthaft: Ethan (links) und Joel Coen : Bild: (c) AP

          Joel: Auch bei „Ladykillers“ kam uns überhaupt nicht der Gedanke, dass es sich um ein Remake handelt.

          Ethan: Stimmt, den haben wir auch nur als Roman-Adaption gesehen, nicht als die Adaption eines anderen Films. Wir haben den alten Film auch nicht mehr gesehen, seit wir Kids waren. Der hat uns gar nicht so interessiert, als dass wir ihn noch mal hätten sehen wollen.

          John Wayne erhielt für seine Rolle in „True Grit“ den einzigen Oscar seiner Karriere. Da waren Sie 16 beziehungsweise 13 Jahre alt. Hat dieser Film denn mehr Spuren hinterlassen bei Ihnen als „Ladykillers“?

          Ethan: Das Original sollte für unseren Film gar keine Referenz sein. Wir mochten den Roman von Charles Portis und fanden, dass er einen guten Film abgeben würde. Der alte Film hat uns dabei nicht beeinflusst. Jeff Bridges ging das auch so, er hat sich völlig unbelastet auf die Rolle vorbereitet. Wir sagten ihm, er soll das Buch lesen. Es gefiel ihm - und nicht, dass John Wayne diese Rolle mal gespielt hatte. An Jeff Bridges haben wir übrigens sofort gedacht, als wir das Drehbuch geschrieben haben. Es war viel schwieriger, ein vierzehnjähriges Mädchen wie Hailee Steinfeld zu finden. John Wayne zu ersetzen war nicht schwer.

          Auch wenn Sie die Bezeichnung offenbar nicht mögen: Remakes sind ziemlich populär in Hollywood. Warum?

          Ethan: Haben die Remakes wirklich so stark zugenommen? Wahrscheinlich gab es schon immer welche, außer natürlich am Anfang, als es noch keine Vorläufer gab. (Joel lacht.) Der Grund ist wohl, dass auf diese Art ein Studio die erworbenen Rechte an einem Filmstoff einfach optimal auswerten kann.

          Joel: Vielleicht war das damals so: Der eine Lumière-Bruder sagt zum anderen: „Lass uns doch mal ein Remake drehen!“ Sagt der andere: „Moment mal, dazu müssen wir erst mal einen Film drehen!“

          Der Western ist das Paradegenre für Moralstücke: Gut und Böse sind meist ganz klar definiert. Ist das jetzt wieder die richtige Zeit für einen Western?

          Joel: Ja, das ist traditionell das Markenzeichen des Western, aber es trifft bestimmt genauso auf andere Genres zu. Wir haben den Film hauptsächlich als Abenteuergeschichte für Jugendliche gesehen.

          Warum war für Sie die Zeit reif für diesen Film?

          Joel: Das hat sich einfach zufällig so ergeben. Wir hatten den Roman schon vor Jahren gelesen, und er hat uns immer gefallen. Warum wir ihn gerade jetzt gemacht haben, hat eher damit zu tun, wann man welche Schauspieler für seine Projekte bekommen kann. Unsere Filme sind meist von der Gnade der Besetzung abhängig, vom Zeitplan der Schauspieler. Es passte jetzt einfach.

          Ethan: Andererseits könnte man auch sagen, dass es uns vor zwanzig Jahren nicht eingefallen wäre, diesen Film zu machen.

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