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Berlinale 2011 : Augenblicke des Festivals

Bundeskanzlerin Merkel und Regisseur Wim Wenders mit 3-D Brillen Bild: dapd

Was wir in und außer den Filmen bei der Berlinale 2011 erlebt und gesehen haben: Etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich mit 3D-Brille ablichten lässt, etwa den britischen Regisseur Richard Ayoade, der nur vier Sekunden Applaus wollte - und so manches mehr.

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          Wie Festivaldirektor Dieter Kosslick bei einem Essen im Berlinale Dining Club alle möglichen Menschen vorstellt, aber Paul Schrader vergisst - bis ihn jemand am Ärmel zupft und er zu Schrader geht, ihm den Nacken massiert, ihn als „my very best friend“ vorstellt und erzählt, Schrader habe ja mit dem Buch für „Taxi Driver“ 1,3 Millionen Dollar verdient und berichte am nächsten Tag in einer Podiumsdiskussion, was er mit all dem Geld gemacht habe.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wie Angela Merkel, das Ehepaar Wulff und Bernd Neumann sich in der Premiere von „Pina“ die 3D-Brillen aufsetzen und Frau Merkel sich mit Wim Wenders so auch fotografieren lässt.

          Wie Wim Wenders nach derselben Premiere achtzehn Tänzer auf die Bühne holt, die sich da alle so viel wohler zu fühlen scheinen als die meisten Filmemacher.

          Wie der iranische Regisseur Rafi Pitts bei einer Diskussion sagt, wenn die iranische Regierung über Nacht die grüne Bewegung für unrechtmäßig erklären kann, könnte sie auch über Nacht die Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof freisprechen.

          Das Schnarchen des Mannes im Nachbarsitz spät abends in Béla Tarrs „Turiner Pferd“, das sich harmonisch mit den Sturmgeräuschen von der Leinwand verbindet.

          Das Gesicht von Luli Bitri in „Amnistia“, wenn ihr Mann aus der Haft entlassen wird, sie völlig ignoriert und allein in ihren Augen Bitterkeit, Wut und Stolz zusammenschießen.

          Wie ein wütender Polizist in Dominik Grafs „Komm mir nicht nach“ mit dem Auto mal eben zwanzig Meter weißen Zaun flachlegt.

          Wie sich all die typischen Rauchergesten in James Bennings „Twenty Cigarettes“ gleichen.

          Das Pferd, das sie „Klinsman“ nannten, in der albanischen Provinz, die „The Forgiveness of Blood“ zeigt - und auf dem Karren, den es zieht, steht eine Telefonnummer, die mit 089 beginnt.

          Der Schlag aus dem Nichts, den Jacob Matschenz in Christian Petzolds „Etwas Besseres als den Tod“ auf die Nase erhält, als er Luna Mijovic durch die Fensterscheibe bewundert.

          Wie Jacob Matschenz und Luna Mijovic kurz danach zu „Cry me a river“ tanzen und er ihr flüsternd den Text ins Deutsche übersetzt.

          Der letzte Satz in „Wer wenn nicht wir“, wenn der Psychiater Bernward Vesper kurz vor dessen Selbstmord fragt: „Haben Sie Pläne?“

          Als in dem indischen Fim „7 Khoon Maaf“ (Sieben vergebene Sünden) eine tödlich verlaufende Ehe dadurch ins Bild gesetzt wird, dass die Kamera beim Jawort vor dem Altar nach oben aufs Kruzifix schwenkt, um beim Herabkommen den Sarg ins Bild zu setzen, in dem bereits der Ehemann liegt.

          Der Tanz von Miranda July in „The Future“, bei dem sie sich zur Gänze in einem gelben T-Shirt eingepackt hat.

          Die Augen, mit denen der kleine Sahand in Mohmmad Ali Talebis Kinderfilm „Wind und Nebel“ den Terror anstarrt, den der Krieg mit dem Irak in sein Heimatland Iran getragen hat.

          Die vier Sekunden Applaus, die der britische Regisseur Richard Ayoade für ein Debütwerk wie seinen Film „Submarine“ als angemessen betrachtet. Und die vielen weiteren Sekunden, die das Publikum ihm trotzdem Beifall spendete.

          Das bajuwarisch eingefärbte Englisch von Werner Herzog, in dem er in „Cave of Forgotten Dreams“ von Albino-Alligatoren, Bison-Frauen und Höhlenbären spricht.

          Das Nilpferd, das am Ende von „Schlafkrankheit“ wie ein Deus ex machina aus dem Ufergestrüpp tritt.

          Wie Jeremy Irons in „Margin Call“ ganz entspannt ein Glas Wein zum Frühstück trinkt, nachdem er die entscheidenden Schritte eingeleitet hat, welche die Finanzkrise auslösen werden.

          Der Moment wenig später, in dem Kevin Spacey in „Margin Call“ mit feuchten Augen seinen Hund begräbt.

          Wie Leila Hatami und Peyman Moadi am Anfang von „Nader and Simin, a Separation“ in die Kamera blicken und sich langsam in eine Suada wechselseitiger Beschuldigungen hineinsteigern.

          Und wie sie, am Ende, durch eine Glasscheibe getrennt dasitzen und warten, für wen sich ihre Tochter entscheiden wird.

          Und dann kein einzelner Moment, sondern ein ganzer Film voller Momente, in denen sich das schönste Liebespaar der Berlinale unsterbliche Blicke zuwirft: Zhou Dongyou und Shawn Dou in Zhang Yimous „Under the Hawthorne Tree“.

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