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Vor der Berlinale : Wer kommt, was läuft?

Jury-Präsidentin Tilda Swinton Bild: REUTERS

Kate Winslet, Renée Zellweger, Michelle Pfeiffer, Demi Moore, Keanu Reeves, Willem Dafoe, Jeff Goldblum und Clive Owen auf dem roten Teppich, politische Filme im Programm und ein selbstbewusstes deutsches Kino: Vorschau auf die Berlinale.

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          Die Berlinale naht, und sie erreicht mit ihrer 59. Auflage nun fast das Alter ihres Direktors. Zu dessen dankbarsten Aufgaben gehört es bestimmt nicht, jedes Jahr auf dieselben drei Fragen antworten zu müssen: Wie viel Glamour? Welcher Trend? Wie viele deutsche Filme? Dieter Kosslick, 60, nimmt die Sache stoisch und sportlich. Er zählt die Namen auf: Kate Winslet, Renée Zellweger, Michelle Pfeiffer, Demi Moore, Keanu Reeves, Willem Dafoe, Jeff Goldblum und Clive Owen. Und das klingt doch schon mal gut, um den roten Teppich zu bevölkern.

          Peter Körte
          (pek), Feuilleton

          Dann verkündet Kosslick, was er ungefähr jedes Jahr sagt, dass es wieder mal sehr politisch zugehe in den Filmen und dass die Wirklichkeit diesmal sogar die Fiktion eingeholt habe. Zum Glück ist das Spektrum der Filme in den Sektionen jedes Mal reicher als das Spektrum der Fragen und Antworten, und im Falle von Tom Tykwers Film „The International“, welcher das Festival am Donnerstag eröffnen wird, ist sogar was dran an der These, weil der Thriller von den Machenschaften einer Privatbank erzählt (aber auch, was schon deutlich weniger realistisch ist, einen großartig choreographierten Shoot-out im New Yorker Guggenheim-Museum enthält, der im Studio gedreht wurde).

          Fast hundert Filme aus oder mit Deutschland

          Und ja, dem deutschen Film geht es auch ganz gut. Fast hundert der insgesamt 390 Filme sind in Deutschland oder mit deutscher Beteiligung entstanden. Zwei haben es in den Wettbewerb geschafft. Maren Ade ist mit der eher leisen Beziehungsgeschichte „Alle anderen“ dabei, und Hans-Christian Schmid erzählt in „Sturm“, einer internationalen Koproduktion, von einer Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und ihrem Prozess gegen einen ehemaligen Kommandeur der jugoslawischen Volksarmee.

          Außer Konkurrenz läuft „Deutschland ’09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation“, ein von Tom Tykwer initiiertes Projekt, das an „Deutschland im Herbst“ anschließen und dem Kino seine gesellschaftsdiagnostische Qualität zurückgeben will. Namen wie Franois Ozon, Bertrand Tavernier, Stephen Frears, Chen Kaige oder Andrzej Wajda repräsentieren im Wettbewerb das eher Gediegene, aber natürlich sind auch ein paar dark horses im Rennen – das sowieso nicht so ausgehen wird, wie es sich die Festivalbesucher denken, sondern wie es Jury-Präsidentin Tilda Swinton will, zu deren Kojuroren unter anderem Christoph Schlingensief gehört.

          Die ganze Wucht des Kinos

          Außer Konkurrenz trifft dann noch der „Pink Panther 2“ die Schlink-Adaption „Der Vorleser“ und eine neue „Effi Briest“. So stellt der kulinarisch ambitionierte Kosslick, der hier und da auch wieder zum Wohle des Kinos kochen lassen wird, sein Menü zusammen, und niemand muss befürchten, nicht satt zu werden, weil Filmfestivals zum Glück immer reichhaltiger sind als ihr Wettbewerbsangebot.

          Irgendwie passt es bei dieser Speisekarte, die einen bisweilen an die langen Listen in Chinarestaurants erinnert, ganz gut, dass die Retrospektive nostalgisch noch einmal die ganze Wucht des Kinos beschwört, indem sie 70-mm-Filme wie „Lawrence von Arabien“, „Cleopatra“ oder „West Side Story“ zeigt, während sich der Festivaldirektor vor allem um die Zukunft des Kinos in der digitalisierten Welt sorgt und deshalb das Thema „Filmtheater“ in den Mittelpunkt stellen möchte. Wenn man sich umsieht, wo die bewegten Bilder heute überall ihre Schauplätze finden, dann könnte man das Kino tatsächlich für eine bedrohte Art halten – weshalb man auf einem Marktplatz wie der Berlinale besonders laut für Rosa von Praunheims alte Weisheit trommeln muss: „Unsere Leichen leben noch!“

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