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Junge Regisseure im Gespräch : Über die Urangst des Filmemachers vor dem bunten Nichts

  • Aktualisiert am
Vor dem Schritt auf die Berlinale-Bühne: Sebastian Schipper, Hans-Christian Schmid und Maren Ade von links nach rechts
          8 Min.

          Zusammen haben die drei Regisseure Maren Ade, Hans-Christian Schmid und Sebastian Schipper zwei Filme im Wettbewerb und zwei im Forum. Vor dem Festivaltrubel machen sie sich noch einmal Gedanken über das eigene Handwerk.

          Herr Schmid, gibt es nach Ihren Wettbewerbsteilnahmen irgendwelche Ratschläge, die Sie den beiden anderen geben können als Veteran, der schon bei mehreren Berlinalen dabei war?

          Hans-Christian Schmid: Nein. Ratschläge geben finde ich nicht gut. Zumindest nicht als Veteran.

          Das Drehbuch fängt mit der Figur an: Maren Ade
          Das Drehbuch fängt mit der Figur an: Maren Ade : Bild: Matthias Lüdecke - FAZ

          Vielleicht, wie Ihre Kollegen mit den Erwartungen umgehen sollen, die ihre Filme auf der Berlinale begleiten . . .

          Schmid: Die Erwartungen sind ja immer unheimlich hoch, ob mit oder ohne Berlinale. Aber man sollte seine Haltung zu dem Film nicht davon abhängig machen, ob sie sich erfüllen oder nicht. „Requiem“ hat, obwohl gleich nach der Berlinale gestartet, unsere Erwartungen an der Kinokasse nicht erfüllt. Aber das war wie bei jeder Entscheidung für einen Starttermin: Man ist immer erst hinterher klüger. Ich glaube, dass die Berlinale so, wie sie seit Dieter Kosslick funktioniert, den Filmen selten schadet, wenn sie danach ins Kino kommen. Ich habe nur zu Zeiten von Moritz de Hadeln erlebt, dass deutsche Filme so schlecht aufgenommen wurden, dass ich dachte: Klar, der Film hat keine Chance mehr.

          Ist die Freude, dass man „genommen worden“ ist, größer als die Angst, dass man womöglich in diesem Meer von Filmen auf dem Festival untergeht?

          Maren Ade: Also, ich habe mich wahnsinnig gefreut über die Aufnahme in den Wettbewerb - und versuche auch die ganze Zeit, das weiterhin zu tun. Ob der Film schnell durchgereicht wird oder welche Aufmerksamkeit er bekommt, ist jetzt gar nicht so sehr meine Angst - für mich ist das so schon ein Erfolg. Es ist aber immer ein großer Schritt, seinen Film zu zeigen - der Moment, wo man nach so langer Zeit aus seiner Kammer raus und zeigen muss, was man da drin gemacht hat. Davor habe ich natürlich Angst.

          Sebastian Schipper: Ich habe mich auch total gefreut. Ich finde es sowieso unglaublich, dass das, was man sich in dieser Kammer ausgedacht hat, dass dieser Tagtraum, den man dann mit Verbündeten umgesetzt hat, irgendwann an die Öffentlichkeit tritt. Da gibt es auch so Momente des Erschreckens, wo man denkt: Ach so, ja, ich habe mir das jetzt so gedacht - ich hoffe mal, das funktioniert auch. Um dieses seltsame Geschäft ansatzweise zu erklären, sage ich: Na ja, du musst dir vorstellen, es kostet wahnsinnig viel Geld, es hat ganz viel mit Träumen und Sehnsüchten zu tun - und am Ende ist es nichts weiter als buntes Licht, das auf eine Wand fällt. Sonst ist nichts. Es ist erst was, wenn es in den Köpfen der Leute zu etwas wird. Und die Urangst von Filmemachern ist, glaube ich immer, dass es wirklich nichts anderes sein könnte.

          Ist das eine Angst, die zu dem Job dazugehört: Was mache ich da eigentlich? So viel Geld anderer Leute zu verpulvern für buntes Licht?

          Ade: Ich versuche mich damit zu beruhigen, wenn es um diese Summen geht, dass daran ja auch Leute verdienen, dass es ja auch ein Wirtschaftszweig ist. Aber ich bin jetzt mal gespannt, nachdem die Wahrnehmung bei dem letzten Film tröpfchenweise stattfand, wie das ist, wenn so ein Film einer größeren Öffentlichkeit auf einen Schlag gezeigt wird.

          Schipper: Die Erfahrung mit dem Geld ist ja immer, dass es zu wenig ist. Da kommt ja nie der große Koffer, in dem zwei Millionen Euro sind, die man dann verteilen kann. Sondern man führt ja nur Gespräche über: zu wenig, zu wenig, zu wenig. Die Erfahrung von Geldmangel ist nie so intensiv, wie wenn man einen Film macht.

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