https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/berlinale-2009/berlinale-von-gesten-und-gaesten-1768242.html
Peter Körte (pek)

Berlinale : Von Gesten und Gästen

  • -Aktualisiert am

Berlinale-Gäste: Steve Buscemi und Lily Cole Bild: dpa

Das Schöne an einfachen Gesten ist ja, dass sie über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verstanden werden, was bei einem internationalen Filmfestival sehr hilfreich ist. Doch manche Geste ergibt auch auf der Berlinale keinen Sinn.

          1 Min.

          Das Schöne an einfachen Gesten ist ja, dass sie über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verstanden werden, was bei einem internationalen Filmfestival sehr hilfreich ist. Wenn Birgit Minichmayr in „Alle anderen“ den Zeigefinger ausstreckt und den Daumen hochreckt, weiß jeder, dass sie dem kleinen Mädchen einen Schuss vorführen will. Da bräuchte es gar keine Untertitel (siehe: Berlinale 2009: „Alle anderen“ von Maren Ade).

          Und in „John Rabe“ wissen alle Zuschauer, warum der arme chinesische Arbeiter angeraunzt wird, der als Einziger in der langen Reihe den linken Arm schräg nach oben zum sogenannten deutschen Gruß hält. Aber man muss gelegentlich doch darauf achten, wen man vor sich hat, wenn man einen Ring aus Daumen und Zeigefinger bildet und die übrigen Finger abspreizt. Ein Italiener jedenfalls könnte das persönlich nehmen.

          Und dann gibt es noch, was Raymond Chandler in seinem Roman „Die kleine Schwester“ über die Titelfigur geschrieben hat: „Sie verfügte über die sinnloseste Kollektion von Gesten, die ich je gesehen hatte.“ Man versteht sie irgendwie, aber einen Sinn ergeben sie in ihrem aktuellen Kontext nicht. Auch da wird man auf der Berlinale fündig, wenn man nur lange genug hinschaut. Zum Beispiel, als neulich Moritz de Hadeln, der ehemalige Direktor der Berlinale, den roten Teppich betrat, sehr langsam ging, sich umschaute, dann den rechten Arm hob und einem imaginären Publikum zuwinkte wie die Stars Woody Harrelson und Steve Buscemi, auf welche die Leute gewartet hatten.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Weitere Themen

          Allein im wilden Bayernwald

          Nikola Huppertz’ neuer Roman : Allein im wilden Bayernwald

          Der Vater ist fußkrank, die Mutter weit weg: In Nikola Huppertz’ neuem Kinderroman „Unser Sommer am See“ lernen drei Geschwister, wie wundervoll anstrengend das Leben ist, wenn man auf sich gestellt ist.

          Topmeldungen

          Die Aussichten auf Wirtschaftswachstum sehen für Deutschland im nächsten Jahr nicht gut aus.

          Konjunktur : Deutschland ist das Schlusslicht

          Kaum ein anderes Land im Euroraum hat derart schlechte Aussichten auf Wachstum. Vor allem ein Nachbarland eilt weit voraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.