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Berlinale : Volle Kraft zurück

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei internationalen Filmfestspielen wie der Berlinale geht es natürlich hauptsächlich um die Filme. Doch die Bezeichnung „Festspiel“ sagt es bereits - auch Feste sind ein wichtiger Teil dieser Veranstaltung. Anders in diesem Jahr: Viele Unternehmen lassen ihre Berlinale-Partys ausfallen.

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          Bei internationalen Filmfestspielen wie der Berlinale geht es natürlich hauptsächlich um die Filme. Doch die Bezeichnung „Festspiel“ sagt es bereits - auch Feste sind ein wichtiger Teil dieser Veranstaltung: Glamour, Stars und Partys gehören ebenso zum Programm wie Premieren und Wettbewerbe. Anders in diesem Jahr: Viele Unternehmen lassen ihre Berlinale-Partys ausfallen. Mit der Wirtschaftskrise hat das angeblich nichts zu tun, eher mit „terminlichen Problemen“ (Mercedes), einem „neu konzipierten Rahmenprogramm“ (Volkswagen) oder „potentiellen Synergieeffekten mit anderen Veranstaltungen“ (Burda).

          Die spektakulärste Absage kommt vom Hauptsponsor Volkswagen: Die „People's Night“ des Autobauers, die mit ihrer exklusiven Gästeliste traditionell eher VIP-Event als Nacht fürs Volk war, fällt dieses Jahr aus. Im letzten Jahr feierte man in der Akademie der Künste - mit Stargast Seal (jedoch ohne Heidi Klum), den Fantastischen Vier, Julia Jentsch, Goldie Hawn, einem roten Teppich und viel Blitzlicht. Laut Heike Lichte, bei VW zuständig für „Lifestyle Kommunikation“, war die Party mit ihren 700 Gästen nur ein kleiner Teil des Engagements auf der Berlinale und „eine der Volkswagen-Ideen, dieses Engagement zusätzlich mit Leben zu füllen“. Der Eindruck liegt nahe, dass die Idee vom rauschenden Partyleben nicht so recht zur Stimmung im Februar 2009 passen will, dem Monat, in dem beim Wolfsburger Autokonzern wegen der Absatzkrise an mehreren Tagen die Bänder stillstehen.

          „Der Termin hat in diesem Jahr nicht genau gepasst.“

          Auch der Konkurrent Mercedes verzichtet auf seine Berlinale-Party, die letztes Jahr ihre Premiere im Prominentenlokal Borchardt feierte. Zwar ist Mercedes kein offizieller Sponsor der Filmfestspiele, doch im letzten Jahr wollte das Unternehmen mit der „Star Night“ eine eigene Feier am Rande des Festivals etablieren - mit Franziska van Almsick, Bernd Eichinger, Veronika Ferres und mutmaßlichen 600 Flaschen Champagner. Die Entscheidung zur Absage der Party sei bereits „relativ früh“ gefallen, sagt Pressesprecher Tobias Müller.

          Den Verdacht, dass die Absage mit den Umsatzeinbrüchen der Automobilindustrie zu tun hat, kann er verstehen - bestätigen will er ihn jedoch nicht: „Der Termin hat in diesem Jahr nicht genau gepasst.“ Am ausgebuchten Lokal kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Dieses Jahr gibt es in dem populären Prominenten-Treff zur Berlinale lediglich eine geschlossene Veranstaltung, jedoch an einem Wochentag. Die beiden Berlinale-Samstage, an denen große Firmen früher das komplette Lokal gemietet hatten, sind in diesem Jahr noch frei - zum ersten Mal.

          Keine Party

          Auch eine weitere Party, die im letzten Jahr ihre Premiere feierte, ist 2009 kein Teil der Berlinale mehr: Die „VIPer Awards“ des Burda-Magazins „InStyle“. Sie sollen dieses Jahr nicht mehr zur Berlinale, sondern im Herbst stattfinden, pünktlich zum Jubiläum des Magazins. Wie von Burda zu erfahren war, steht ein konkreter Termin jedoch noch nicht fest - die Ehrengäste bei den „VIPer Awards“ 2008, wie etwa Karl Lagerfeld und Jessica Schwarz, müssen sich in diesem Jahr also eine neue Abendplanung für den Berlinale-Freitag suchen.

          Die „Red Bear Night“ fällt als Alternativprogramm ebenfalls aus. Die Party, zu der die Produzenten Thomas Peter Friedl und Oliver Berben in der Sopranos Lounge am Gendarmenmarkt geladen hatten, muss dieses Jahr aus den Kalendern der letztjährigen Gäste Uwe Ochsenknecht, Heino Ferch und Jürgen Vogel gestrichen werden. Die Party „setzt in diesem Jahr aus“, wie Gastgeber Thomas Peter Friedl mitteilen ließ. Die Event-Firma Mydays, ehemaliger Geldgeber der Party, „hat dieses Jahr kein Sponsoring geplant“, sagt Pressesprecherin Claudia Mühlbauer.

          Kein Bezug zu den Filmfestspielen

          Berlinale-Sponsoring-Leiterin Dagmar Forelle sieht in den Feier-Ausfällen keinen Anlass zur Sorge. Wenn weniger Geld für Partys ausgegeben wird, spare man am richtigen Ende, schließlich „soll es um Kultursponsoring gehen, die Partys sind nur ein Zusatz“. Viele der Feste am Rande der Berlinale hatten „ohnehin keinen Bezug zu den Filmfestspielen“ - es war eher ein Forum, in dem sich Firmen ins rechte Licht rücken wollten.

          Mit dem belgisch-chinesischen Diamanten-Hersteller Tesiro gibt es in diesem Jahr einen neuen Sponsor, bei dem sich die VIP-Gäste des Festivals teuren Schmuck als „hochkarätige Ergänzung ihrer Abendgarderobe ausleihen können“, wie der Website der Berlinale zu entnehmen ist. Doch ohne „Star Night“, „People's Night“, „VIPer Awards“ und „Red Bear Night“ gibt es - jenseits der Eröffnungsfeier und der diversen Premieren - deutlich weniger Anlässe, solchen Schmuck bei der Berlinale in diesem Jahr zu tragen. Eine eigene Party veranstaltet Tesiro jedenfalls nicht.

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