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Peter Körte (pek)

Berlinale-Empfang : Brust oder Flügel

  • -Aktualisiert am

Beim Eröffnungsempfang der Berlinale will das Buffet nicht mehr recht schmecken, nachdem verschiedene Speiseangebote in Wettbewerbsfilmen bereits eine Rolle spielten. Und auch der Blick nach oben ist bang, krachte im Film „The International“ doch eine Installation von der Decke.

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          Es gibt günstigere Voraussetzungen, an ein Buffet zu treten, als François Ozons Film „Ricky“, in dem einem Baby Flügel wachsen, die zunächst aussehen wie Chicken Wings im Rohzustand - aber genug davon, die Berlinale lehrt einen, hart zu sein, und immerhin wurden beim Eröffnungsempfang weder Poulardenbrüste noch Hähnchenflügel gereicht.

          Es wäre im Übrigen leichter gewesen, sich ein Menü auszudenken, das zum Eröffnungsfilm „The International“ gepasst hätte, weil die Protagonisten dort so beschäftigt sind, dass es nicht einmal zu einem Kaffee reicht. Doch so weit reicht die Konvergenztheorie von Festivaldirektor Dieter Kosslick nun auch nicht, dass er das Buffet eingespart hätte, um den Zusammenhang von Kulinarischem und Cinéastischem zu demonstrieren.

          Beim traditionell überfüllten Eröffnungsempfang richteten sich viele Blicke im Berlinale-Palast eher besorgt nach oben als auf den Teller, nachdem man im „International“ gesehen hatte, wie im Lichthof des Guggenheim Museums eine Installation aus scharfkantigen Materialien von der Decke kracht. Irgendwie muss das auch Mutter Beimer alias Marie-Luise Marjan so empfunden haben, die einer Radioreporterin sagte, sie sei „erschlagen von der Aktualität des Films“.

          Es war dann nicht zu erfahren, ob der Weltstaatsmann Joschka Fischer oder die um das Gute in der Welt besorgte Claudia Roth auch eine Meinung hatten. Nina Hagen hatte eine, aber jenseits der Mikrofone und Kameras wirkte es fast, als sei die Krise selbst in die Krise geraten, weil sich im Laufe des Abends zwar sehr disparate, aber durchweg krisenfreie Gesprächsfetzen sammeln ließen - von der neuen Kollegenfrisur über die vom Sponsor überreichte L'Oréal-Tasche, welche die Tochter der Regisseurin sich ausbedungen hatte, bis zur Abwesenheit des ansonsten allgegenwärtigen Klaus Wowereit, der den Geburtstag von Kurt Beck dem Empfang vorzog. Was einen am Ende mit der Frage zurückließ, welchen Film SPD-Mitglied Kosslick wohl zu Becks Lieblingsgericht „Schnüffel“ (zerschnittene Schweinenasen in Brühe) auswählen würde.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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