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Berlinale 2004 : Goldener Bär für „Gegen die Wand“

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Insgesamt hatten im Wettbewerb 23 Filme um die Auszeichnungen konkurriert, die am Abend bei einer Gala überreicht werden. McDormand nannte „Gegen die Wand“ einen sehr starken und sehr modernen Film. „Ich liebe diesen Film. Er sagt auf so wunderbare Weise so viele Dinge.“ Festival-Direktor Dieter Kosslick erklärte, er sei glücklich über den Goldenen Bären für „Gegen die Wand". In diesem Jahr sei auf der Berlinale wenig Mainstream-Kino zu sehen gewesen. Bisher haben sieben Filme aus Deutschland und der DDR einen Goldenen Bären erhalten, zuletzt 1986 „Stammheim“ von Reinhard Hauff.

Star in der Türkei

„Gegen die Wand“ erzählt die Geschichte der Deutsch-Türkin Sibel (Sibel Kekilli), die in Hamburg den heruntergekommenen und wesentlich älteren Alkoholiker Cahit (Birol Ünel) zur Heirat überredet, um den strengen Moralvorstellungen ihrer Familie zu entkommen. Nach der Hochzeit zieht Sibel mit den Männern durch die Betten, während Cahit sich langsam in sie verliebt. Als er einen aufdringlichen Liebhaber Sibels im Affekt tötet, wird sie von ihrer Familie verstoßen und geht nach Istanbul. Nachdem Cahit seine Zeit im Gefängnis abgesessen hat, treffen sich beide in der Türkei wieder.

„Ich hoffe, der Film regt konservative Familien zur Diskussion an", sagte Akin nach der Uraufführung seines Films auf der Berlinale. Er habe in seinem Werk jedoch nicht die ältere Generation der Türken in Deutschland denunzieren wollen, sie seien auch ein Opfer der Tradition. Nach seiner Einschätzung seien die Türken in Istanbul aber moderner als die Türken in Deutschland. „Die da drüben sind uns vielleicht eine Spur voraus. Oder nein: einfach anders", erklärte der Hamburger Regisseur. Wichtig sei, daß ein gegenseitiges Geben und Nehmen da sei. Er selbst sei schon sehr nervös, wie seine Eltern „Gegen die Wand“ beurteilten.

Akin sieht sich als deutschen Regisseur, obwohl er in der Türkei als türkischer Star gilt. „Ich verstehe mich auf jeden Fall als deutscher Filmemacher. Ich mache meine Filme mit deutschem Geld, und ich vertrete ja auch Deutschland", sagte er. „Mal fühle ich mich deutsch, mal türkisch. Aber das ist kein Nachteil: Ich kann daraus schöpfen, statt daß es mich blockiert.“ Ünel sagte, der durchgängig in deutsch und türkisch gesprochene Film sei auch ein Bekenntnis. „Es ist ein bißchen schwierig für die zweite Generation, sich in ihrer Heimatsprache noch verständlich zu machen.“ Die zweite Generation habe einfach einen größeren Wortschatz auf Deutsch als auf Türkisch. Ünels Filmcharakter Cahit muß sich im Gespräch in Istanbul zum Teil mit Englisch behelfen, weil sein Türkisch so schlecht ist. Auch bei den Türken in Deutschland, die er als „Kanaken“ beschimpft, wird er für sein schwaches Türkisch gehänselt.

Etwas ganz Neues war der Dreh für die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli, die zuvor als Verwaltungsfachangestellte im Heilbronner Rathaus gearbeitet hatte und auf der Straße für die Rolle angesprochen worden war. Ihretwegen wurde der Film chronologisch gedreht. „Ich habe das Gefühl, daß diese Generation wieder zu ihren Wurzeln zurückgeht und türkischer wird", sagte sie. Mit dem Film wolle sie zeigen, wie es enden könne, wenn die Eltern ihre Kinder nicht unterstützten und begleiteten.

Die Preisträger der 54. Berlinale:

Goldener Bär für den besten Film : „Gegen die Wand“ (Deutschland) von Fatih Akin

Silberner Bär für den Film: „Lost Embrace“ (Argentinien/Frankreich/Italien/Spanien) von Daniel Burman

Silberner Bär für die besten Darstellerinnen zu gleichen Teilen: Catalina Sandino Moreno (Kolumbien) für „Maria voll der Gnade“ (USA/Kolumbien) von Joshua Marston und Charlize Theron (Südafrika) für „Monster“ (USA) von Patty Jenkins

Silberner Bär für den besten Darsteller: Daniel Hendler (Uruguay) für „Lost Embrace“ von Daniel Burman

Silberner Bär für die beste Regieleistung: Kim Ki-Duk (Korea) für „Die Samariterin“

Silberner Bär für die beste Filmmusik : Banda Osiris für „Erste Liebe“ (Italien) von Matteo Garrone

Silberner Bär für beste künstlerische Leistung: Schauspieler-Ensemble des Films „Morgengrauen“ (Schweden) von Björn Runge

„Der Blaue Engel Preis“ für den besten europäischen Film: „Morgengrauen“ von Björn Runge

Alfred-Bauer-Preis“ für einen Erstlingsfilm: „Maria voll der Gnade“ (Vereinigte Staaten/ Kolumbien) von Joshua Marston

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