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Berlinale 2005 : Die Wettbewerbsfilme kurz belichtet

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Beides kennt der Berlinale-Rummel: viel Lärm um nichts und heimliche Gewinner. FAZ.NET begleitet den Wettbewerb mit Kurzbewertungen der Filmkritiker von F.A.Z. und Sonntagszeitung.

          7 Min.

          Beides kennt der Berlinale-Rummel: viel Lärm um nichts und heimliche Gewinner. FAZ.NET begleitet die Filmfestspiele mit Kurzbewertungen der Filmkritiker von F.A.Z. und Sonntagszeitung.

          Gespenster (Deutschland)

          Regie: Christian Petzold. Mit Julia Hummer, Sabine Timoteo

          Eine Französin glaubt, in einer Berliner Streunerin ihre einst entführte Tochter zu erkennen.

          Michael Althen: „Christian Petzold verwandelt die Gegend um den Potsdamer Platz in einen Märchenwald und fängt gleichzeitig mehr von der Gegenwart dieser Stadt ein als alle anderen.“

          Peter Körte: „Je kühler Christian Petzold inszeniert, je klarer er seine Bilder baut, desto stärker die emotionale Wucht, die von den beiden wunderbaren Hauptdarstellerinnen ausgeht.“

          Andreas Kilb: „Unter Christian Petzolds rigorosem Blick wird das Gespenstische des Berliner Sommers real.“

          Der späte Mitterrand (Frankreich)

          Regie: Robert Guédiguian. Mit Michel Bouquet, Jalil Lespert und Philippe Fretun

          Die letzten Tage François Mitterrands, in denen er seinem Vertrauten intimste Geheimnisse und persönliche Erinnerungen offenbart.

          Peter Körte: „Manchmal wird es zwar ein bißchen zäh und für deutsche Zuschauer mangels Kontext nur ansatzweise nachvollziehbar, aber dann braucht man sich wieder nur vorzustellen, über welchen deutschen Politiker ein solcher Film entstehen könnte - und schaut ins Leere. Und Michel Bouquet als Mitterrand ist wirklich unheimlich gut.“

          Michael Althen: „Michel Bouquet spielt den späten Mitterrand, der Abschied von Macht und Leben nehmen muß. Robert Guédiguian inszeniert das so lebendig, wie das in der dünnen Luft um den Präsidenten eben möglich ist.“

          Man to Man (Frankreich)

          Regie: Régis Wargnier. Mit Joseph Fiennes, Kristin Scott Thomas

          Suche nach dem so genannten „missing link“ - der in der Wissenschaft im 19. Jahrhundert diskutierten Verbindung zwischen Mensch und Affe.

          Peter Körte: „Wenn der Ausstatter wichtiger ist als die Schauspieler und wenn Kostüme wichtiger sind als Motive, wird der Regisseur zum Dekorateur und macht sich damit auch ein bißchen zum Affen.“

          Andreas Kilb: „ Ein Wissenschaftsdrama als Zoobesichtigung oder: 'Greystoke' auf Sauce Bearnaise.“

          Verena Lueken: „Régis Wargnier macht leider nicht mehr daraus als einen Ausstattungsfilm, in dem die faszinierende Welt des Halbwissens, des Erkenntnisdrangs auf allen Abwegen und der Hybris nie lebendig werden.“

          Michael Althen: „Ein paar große Namen, ein irgendwie ambitionierter Stoff, ein halbwegs bekannter Regisseur, und heraus kommt meistens ein Film, der es gut meint, aber alles falsch anpackt.“

          Paradise Now (Palästina)

          Regie: Hany Abu-Assad. Mit Kais Nashef, Ali Suliman

          Die letzten 48 Stunden im Leben zweier palästinensischer Selbstmordattentäter.

          Verena Lueken: „'Paradise Now' zählt zu der Gruppe gelungener Spielfilme, die politisch Position beziehen, ohne daß sie eine Lösung anzubieten sich anmaßten, und die gleichzeitig deutlich machen, daß sie Fiktion sind, mit Wahrheitsanspruch.“

          Peter Körte: „Eine Gratwanderung: die letzten 24 Stunden zweier Selbstmordattentäter. Mitunter schlingert der Film gefährlich, und die Konstruktion einer hübschen Frau, aus der die Stimme der Vernunft sprechen soll und die zudem Tochter eines heldenhaft verehrten Selbstmordattentäters ist, ist arg schematisch.“

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