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Berlin : Das Schloss geht auf

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Seit Jahren ringen die Berliner um ihr Stadtschloss - die Entscheidung, den italienischen Architekten Stella mit dem Wiederaufbau zu betrauen, kam fast überraschend. Doch sie ist nur eine Etappe auf dem langen Weg zu dem Bau, in dem sich das wiedervereinigte Deutschland erkennen kann.

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          Der Entwurf des Italieners Francesco Stella für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist auf den ersten Blick bestechend. Statt das Schloss durch einen Querbau, wie er vor der Sprengung im Jahr 1950 bestand, in zwei annähernd gleiche Hälften zu teilen, zerlegt er das Mittelgebäude in schlanke Galerien, zwischen denen eine breite Passage hindurchführt. Sie verbindet zwei Tore der Barockfassade miteinander. So bekommt der neue Großbau eine Öffnung zur Stadt, die seinen Charakter als Schatzhaus der Republik, als Bürgerschloss, architektonisch sichtbar macht.

          Seit fünfzehn Jahren wird um dieses Schloss gerungen. Die einstimmige Entscheidung der Wettbewerbsjury, die nach den Kampagnen und Gerüchten der letzten Wochen fast überraschend kommt, ist aber nur eine Etappe auf dem langen Weg zu dem Bau, der in vier bis fünf Jahren, wenn alles gutgeht, auf dem Berliner Schlossplatz stehen wird. Der Bundestag hat mit seinem fraktionsübergreifenden Beschluss vom Juli 2002 den Weg zur historischen Rekonstruktion des Hohenzollernschlosses vorgezeichnet.

          Aus dem Luftschloss muss ein Konzept hervorgehen

          Es ist verständlich, dass die Architekten in der Wettbewerbsjury, an ihrer Spitze Stellas Landsmann Vittorio Lampugnani, die Bestimmungen der Ausschreibung als Einschränkung empfanden. Aber bei diesem Projekt ging es nicht darum, ein spektakuläres architektonisches Zeichen zu setzen. Es ging darum, in der Mitte Berlins ein Gebäude zu errichten, in dem sich das wiedervereinigte Deutschland erkennen kann und auch in Zukunft erkennen wird. Der Entwurf Francesco Stellas erfüllt diese Aufgabe in beeindruckender Weise.

          Nach der ästhetischen Debatte beginnt jetzt die Nutzungsdiskussion. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will den Neubau gemeinsam mit der Humboldt-Universität und der Berliner Zentral- und Landesbibliothek bespielen.

          Aber die Vision eines „Humboldt-Forums“ für außereuropäische Kulturen, die der damalige Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann vor sechs Jahren entwickelte, ist noch immer so vage, dass von einer verantwortlichen Planung keine Rede sein kann. Lehmanns Nachfolger Hermann Parzinger hat jetzt die Aufgabe, aus dem Luftschloss der Weltkulturen ein schlüssiges Museumskonzept zu machen. Das wird auch der Schlüssel zum Stadtschloss sein. Oder man macht einen ganz neuen Plan.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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