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Berliner Kult-Bar : Rettet Babette!

  • -Aktualisiert am

Die legendäre Bar Babette in der Karl-Marx-Allee. Bild: Karsten Thielker

In Berlin gibt es immer mehr „Eventbuden“ für erlauchte Kreise. Nun will der Investor Nicolas Berggruen auch eine der wenigen Kult-Bars aus DDR-Zeiten für die Öffentlichkeit schließen. Das „Babette“ muss offen bleiben - für alle!

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          Sommer in Berlin, die Karl-Marx-Allee ist leer. Manche würden sagen, sie ist tot, was nicht stimmt, denn in den Wohnungen an Ost-Berlins Magistrale brennt viel Licht, Autos sind auf mehreren Spuren unterwegs. Den durstigen Flaneuren, die aus dem Kino International oder vom Alexanderplatz den 110 Meter breiten „Boulevard des Proletariats“ entlangschlendern, leuchtet in roter Neonschrift mit dem Wort „Bar“ ein allerdings weit und breit einziges Signal für Labung und Geselligkeit entgegen.

          Dahinter verbirgt sich kein neureicher Hipster-Club, sondern ein architektonisches Juwel aus DDR-Zeiten von Josef Kaiser. Anders als im ersten Abschnitt der Karl-Marx-Allee mit dem markanten Zuckerbäckerstil durfte hier – mit kollegialen Grüßen an Mies van der Rohe und die West-Berliner Internationale Bauausstellung 1957 – in den frühen sechziger Jahren im Sinne eines weltoffen-hellen Modernismus entworfen werden. Einige lose verteilte Pavillons setzen zwischen die elegant gegliederten Riegel mit Tausenden Wohnungen heitere Kontrapunkte.

          Einer dieser charmanten Multifunktionswürfel war der Kosmetiksalon Babette, zwölf Meter im Quadrat und die Decke in noblen sieben Meter Höhe. Im Erdgeschoss gab es gute Pflegeprodukte zu kaufen, im Obergeschoss lagen Kabinen, in denen sich die „neue Frau“ vom Aufbau des Sozialismus erholen konnte. Bald nach der Wende stand der filigrane Glaskubus leer, bis ihn ein paar freigeistige Liebhaber der Öffentlichkeit als niedrigschwelligen Projektraum für Kunst und Kultur wieder zugänglich machten: Mit Ausstellungen, Konzerten, Buch- und Filmpräsentationen. Überdies ein formschönes Nachbarschaftscafé, in dem sich – unabhängig von Status, Beruf, Alter – bis heute die Berliner treffen.

          Der Kosmetiksalon wurde zur Bar – für alle. Ende September soll nun damit Schluss sein. Der Großinvestor Nicolas Berggruen, der schon Karstadt verschaukelte, hat den Mietvertrag nicht verlängert. Denn neben der Bar Babette befindet sich das denkmalgeschützte Café Moskau, das er 2007 kaufte, renovierte und zu reanimieren versprach. Doch stattdessen vermietet er es teuer für allerlei geschlossene „Events“. Häufig ist es zu und sonst nur für geladene Gäste zugänglich. Die „Babette“ will er diesem „Konzept“ einverleiben und so ebenfalls der allgemeinen Nutzung entziehen. Die privat betriebene Institution ist von der öffentlichen Hand nur schwer zu schützen. Man muss es trotzdem versuchen und eine der letzten demokratischen urbanen Oasen im plattsanierten Ostteil der Stadt retten. Es gibt nicht mehr viele davon – viel weniger als die berüchtigten „Eventbuden“. Berlin aber braucht nicht noch mehr Kommerz, sondern mehr Geschichtsbewusstsein und echtes Leben.

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