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Neues vom BER : Das wahre Leben

  • -Aktualisiert am

Hat Daniel Abbou seine Entlassung als BER-Sprecher provoziert? Zu kalkuliert wirkte sein plötzlicher Anflug von Wahrheitsliebe.

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          Darf einer, der für einen anderen spricht, also zum Beispiel ein Pressesprecher, einfach so daherreden wie Daniel Abbou? Nein, soll er nicht gedurft haben. Abbou war bis vor wenigen Tagen die Zunge des BER-Chefs Mühlenfeld, unser neuer Ritter auf dem Feld der verlorenen Flughafenehre. Herr Mühlenfeld konnte, obwohl noch nicht lange im prekären Amt, selbst fast schon so reden wie seine Vorgänger – wird schon, wir haben alles im Griff, Probleme hier und da und solche Sachen. Und da kommt seine Zunge, sein gut bezahlter Sprecher, unter seinesgleichen – im Interview für ein PR-Magazin – daher, als wolle er plötzlich die Wahrheit pachten. Die Wahrheit, die in der Hauptstadt nicht nur Spatzen von den Dächern pfeifen, und die fast so klang, als stamme sie aus dem wirklichen Leben.

          Er nannte den BER also wie alle ein Milliardengrab, plauderte nicht nett über seine Vorgänger und die seines Chefs, ließ leichthin Politikernamen fallen, die wolkig über das Desaster am weltberühmten Pannenflughafen hinweggeredet hatten und sprach auch noch von der Unmöglichkeit, für dieses Projekt feste Garantien abzugeben. Wer wollte da widersprechen?

          Beamtensprech auf Weltniveau

          Aber Abbou hat es nun seinen Job gekostet und vielleicht hat der gewesene Hoffnungsträger des BER-Aufsichtsratschefs und Regierenden Bürgermeisters Müller das sogar einkalkuliert. Abbou ist ein Profi, hat früher zuverlässig nicht nur einem wahrheitsscheuenden Senator und Minister treu gedient. Wer im Archiv nachschaut, kann sinnfreie Zitate aus früheren Dienstverhältnissen von ihm finden, die sind im Beamtensprech auf Weltniveau gehalten.

          Wenn er diesen Tugendpfad der entatmeten, risikofreien Sprache nun verließ, wird er seine Gründe gehabt haben. Die Entrüstung, auch die mediale, wegen dieser mageren Wahrheitskörnchen ist das eigentlich Erstaunliche. Geschäftsschädigung lautet gar ein Vorwurf. Und wenn überhaupt, wird ihm nur sehr verhalten ein gewisser Hang zur Wahrheit unterstellt, so als herrsche Konsens darüber, dass das nun schon gar nicht der rechte Weg aus dem flughafenpolitischen Jammertal sein kann. Vielleicht aber beweist dieser Pseudoaufreger um einen Spätbekehrten auch nur ein altes Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

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