https://www.faz.net/-gqz-7mtnf

Beltracchis Filmpremiere : Die zweite Fälschung

Prinz Beltracchi lässt sich, seine Gattin im Arm, feiern Bild: Fricke, Helmut

Der Star bin ich: Der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi tritt bei der Kinopremiere seines Dokumentarfilms als er selbst auf. Es ist die Fortsetzung des Betrugs mit anderen Mitteln.

          Köln-Ehrenfeld ist nicht Cannes, und das Cinenova, ein Programmkino mit drei Sälen, ist nicht der Palais des Festivals et des Congrès. Eher das Gegenteil. Wie Wolfgang Beltracchi, geborener Fischer, ja auch nicht Max Ernst oder Heinrich Campendonk oder Max Pechstein ist, sondern deren Zerrspiegelbild: kein Künstler, der etwas Neues, Aufregendes, Augenöffnendes geschaffen hat, sondern ein Kopist, der die Meister der Moderne im Stil ihrer Erfindungen zu imitieren versteht. Und dies so raffiniert und gerissen getan hat, dass er mit seinen Nachmachwerken den Kunstbetrieb vorgeführt und bis auf die Knochen blamiert hat.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Insofern passt das Cinenova, die Karikatur eines Kinopalasts, gut zu Beltracchi, der Karikatur eines Künstlers, um hier die Weltpremiere des Films „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“ von Arne Birkenstock zu feiern. Und als das Kunst-Dreigestirn, mitten im Kölner Karneval, dann hier einlief, surrten drei Fernsehkameras und blitzten fünf Fotoapparate: Der Regisseur (Bauer) lächelte von rechts oben gönnerhaft herab, die Komplizin und Muse (Jungfrau) lächelte von links unten anhimmelnd hinauf, und Freigänger Beltracchi (Prinz) lächelte süffisant-selbstgefällig in der Mitte. Was für ein Star-Aufgebot im popcornmiefigen Foyer!

          Regisseur Arne Birkenstock

          Bewundert ihn, das war der Gestus dieser Proklamation, bewundert ihn, das ist auch die Aufforderung des Films, der ein auf Amüsement gestimmtes Premierenpublikum gern nachkam. Bereitwillig goutierte es die kriminellen Machenschaften des rechtskräftig verurteilten Paares als das, wozu Birkenstocks Fernseh-Schmonzette, die Karikatur eines Dokumentarfilms, sie bagatellisiert: als charmantes Schelmenstück. Der Film ist die Fortsetzung des Betrugs mit anderen Mitteln: Wie Wolfgang und Helene Beltracchi den Kunstbetrieb führt er ein Publikum, das nicht so genau wissen will, wie die beiden – nach eigenen Angaben – dreihundert Bilder in den Markt geschleust und viele Millionen Euro ergaunert haben, an der Nase herum. Die zweite Fälschung. Der Unterschied ist nur, dass dies mit dem Anspruch der Dokumentation und mit öffentlichen Fördergeldern, auch vom Beauftragten der Bundesregierung für Kunst und Medien, geschieht. Nach der Vorstellung, zwischen dem rituellen Schulterklopfen des „tollen Teams“ auf der Bühne, verwahrte sich Arne Birkenstock gegen den „Nebenberuf Anwaltssohn“. Dabei schließt sein Film genau an den Auftrag des Vaters an: der Regisseur als Resozialisierungshelfer.

          Weitere Themen

          Ich höre doch zu

          Airpods und ihre Äquivalente : Ich höre doch zu

          Unfreiwillig komisch und defizitär: Es war ein Fehler, sich so über die kabellosen Kopfhörer lustig zu machen. Jetzt tragen sie alle – und rund um die Uhr.

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.