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Domingo verlässt Met : „Ein Klima, in dem Menschen ohne Untersuchungen verurteilt werden“

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Der Opernsänger Plácido Domingo Bild: AFP

Der Opernstar Plácido Domingo steht wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung seit Wochen unter Druck. Nun zieht der 78 Jahre alte Sänger Konsequenzen.

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          Nachdem ihm mehrere Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen haben, hat Opernstar Plácido Domingo (78) einen Tag vor einem geplanten Auftritt die New Yorker Metropolitan Oper verlassen. Er habe bei der Opernleitung um Entbindung von seinen Pflichten gebeten und werde nicht mehr an der Met auftreten, teilte Domingo am Dienstagabend (Ortszeit) der „New York Times“ mit. Die Oper bestätigte seinen Rückzug.

          „Ich weise die Anschuldigungen gegen mich entschieden zurück und mache mir Sorgen um ein Klima, in dem Menschen ohne angemessene Untersuchungen verurteilt werden, aber nach einigem Nachdenken glaube ich, dass mein Auftritt in der ,Macbeth'-Inszenierung von der harten Arbeit meiner Kollegen auf und hinter der Bühne ablenken würde“, schrieb Domingo an die „New York Times“. Deswegen habe er um Entbindung von seinen vertraglichen Pflichten gebeten. „Und ich danke der Führung der Met, dass sie meine Bitte freundlicherweise akzeptiert haben.“

          Domingo deutete an, dass er nicht mehr an die Met, die als eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt gilt, zurückkehren werde. Die jüngste Kostümprobe zu „Macbeth“ sehe er als seinen „letzten Auftritt auf der Bühne der Met“ an, wo er mit 27 zum ersten Mal gestanden habe, sagte der spanische Opernsänger.

          Am Mittwochabend hätte Domingo zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Vorwürfe wieder in einer „Macbeth“-Vorführung auf der Met-Bühne stehen sollen. Schon im Vorfeld hatte es deswegen hinter den Kulissen viel Wirbel gegeben. Die Oper gab eine Mitteilung heraus, in der sie den Rückzug Domingos „von allen weiteren Aufführungen“ bestätigte. „Die Met und Herr Domingo stimmen darin überein, dass er abtreten musste.“

          Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press hatte im August Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den gefeierten Opernsänger publik gemacht. Der Gesangsstar soll demnach seine Position ausgenutzt haben, um zahlreiche Frauen zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Die mutmaßlichen Vorfälle reichen zurück bis in die 80er Jahre.

          In Philadelphia und San Francisco wurden bereits Auftritte Domingos abgesagt. Die Oper von Los Angeles, deren Generaldirektor der 78-Jährige ist, hat einen Anwalt mit einer Untersuchung der Vorwürfe betraut und den Musiker beurlaubt. In Europa ist Domingo dagegen seit Bekanntwerden der Vorwürfe wiederholt aufgetreten, unter anderem bei den Salzburger Festspielen.

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