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WM-Kolumne „Nachgetreten“ : Plattitüden eines Plapperers

  • -Aktualisiert am

Die Live-Stimmen des ZDF (v.l.): Oliver Schmidt, Bela Rethy, Claudia Neumann und Martin Schneider. Bild: dpa

Dieser Kommentator kann gar nichts, außer vor sich hin zu reden: Könnte Béla Réthy nicht ganz leicht durch einen Roboter ersetzt werden?

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          Béla Réthy ist ganz offenbar der Versuch des ZDF, einen Kult zu etablieren. Einen Kult wie bei Guildo Horn oder Eddie the Eagle. Das Unvermögen als Vermögen. Denn der Kommentator Béla Réthy – und das ist sein Vermögen – kann gar nichts, er redet nur vor sich hin, und genau das soll krass sein. Das ZDF hat auf seiner Website eine Funktion „Be Béla“ (Sei Béla) installiert, auf der jedermann demonstrieren kann, dass jedermann vermag, was Béla Réthy vielleicht können möchte. Sehr DFB-gemäß: Ganz egal, wie er spielt, Béla Réthy wird aufgestellt.

          Béla Réthy könnte nämlich tage- und wochenlang reden, ohne auch nüchtern nur eine einzige Erklärung zustande zu bringen. Das Spiel, das er gerade kommentiert hat, war das der Kroaten gegen Argentinien. „Sie bewegen sich intelligent in die Räume“, sagt er über die Kroaten und ergänzt: „Die Räume haben sie natürlich auch, weil sie sie bekommen.“ Ah, drum! Zwischendurch lassen er oder sein Sprechzettel die Zuschauer wissen, wann der Ko-Trainer der Argentinier als Spieler im deutschen Pokalfinale stand oder bei welchem italienischen Verein irgendein Argentinier spielt. Information als Rauschen.

          Am besten aber ist Réthy in Redundanz. Wenn der kroatische Torwart einen leichten Ball abfängt, sagt er: „Kein Problem.“ Wenn die Argentinier das 0:2 bekommen: „Es droht das Aus in der Gruppe.“ Aber „es muss noch gerechnet werden“, was schon darum stimmt, weil die anderen Gruppenteilnehmer noch gar nicht gespielt haben. Aber das immerhin ist wahr: „Fünfmal WM-Finalist, zweimal Weltmeister, die älteste Mannschaft des Turniers, es schreit nach Umbruch.“ Lägen die Argentinier vorn, bewiese es freilich Turniererfahrung.

          Aus derlei Plattitüden besteht die schier endlose Suada dieses Plapperers. Gibt es eine Gelbe Karte, sagt er „Gelbe Karte“ und „der Frust sitzt tief“, trifft der Ball die Latte, sagt er „Latte“. Niemand, überhaupt niemand sieht etwas anderes. Man fragt sich, ob Réthy nicht ganz leicht durch einen Roboter ersetzt werden könnte. Seine Analyse: Wenn die Kroaten das durchhalten können, er meint das Gewinnen, dann sind sie ernst zu nehmen. Vorsichtigerweise ergänzt er – wir haben die 86. Minute –, dass das Ergebnis des laufenden Spiels natürlich noch abgewartet werden muss.

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