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Beim Ehrengast der Buchmesse : Aber bitte mit Same

  • -Aktualisiert am

Rentierhalter Aslak Sokki in typischer Gákti-Tracht in Kautokeino. Wenn er nicht gerade Rentiere hütet, übt er mit Touristen Lassowerfen und erklärt die traditionelle Lebensweise der Samen. Bild: Oliver Jungen

Gemeinsam mit Norwegen ist das einzige indigene Volk Europas Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Bei einem Besuch im Polarreich zeigt sich viel crossmediale Energie und eine konsequent naturverbundene Kultur.

          8 Min.

          Wie groß Norwegen ist, das merkt man erst wirklich, wenn man in Oslo das Flugzeug nach Norden besteigt und zwei Stunden lang über Flüsse und Wälder fliegt, bis schließlich die Finnmark zu sehen ist, ein sanft gewellter Ozean aus Fjellbirken, in den verschwindend kleine Ortschaften getupft sind, Karasjok und Kautokeino, kaum mehr als Straßenkreuzungen, das nur etwas größere Alta: die Heimat der vierzigtausend norwegischen Samen (die Bezeichnung „Lappen“ ist verpönt), des einzigen indigenen Volks Europas, dessen Lebensraum sich auch über Teile von Schweden (20.000 Samen), Finnland (7500) und Russland (2000) erstreckt und das bis heute, obwohl zugleich modern, polyglott und künstlerisch hochaktiv, zu einem guten Teil von der Rentierzucht und vom Fischfang lebt.

          Immer noch ziehen hier riesige Rentierherden zwischen ihren Sommer- und Winterweiden umher. Auch wenn die Halter inzwischen Drohnen und GPS-Tracker nutzen und ihre Tiere mit Schneemobilen und Kufen-Wohnwagen begleiten, kaum mehr mit Schlitten und Zelt, bestimmen nach wie vor die harten Winter (oft minus 20 Grad; der Rekord liegt bei minus 51,4 Grad) und der aufgrund von Entschädigungen freilich erträgliche Wildriss durch Vielfraße, Adler, Bären und Luchse, wie viel Fleisch und Fell im folgenden Herbst verkauft werden kann. Der Klimawandel führt neuerdings zu Problemen durch Tauwetterlagen, weil die Tiere durch die überfrorene Eisschicht nicht mehr an die Flechten kommen. Dennoch: Mehr artgerechte Haltung, mehr Bio ist kaum denkbar. Das drückt sich aus im Preis für Rentierfleisch. Daneben sind moderne Jobs entstanden, etwa im Tourismus – Husky-Exkursionen, Rentierrennen, Polarlicht, Nordkap, Festivals, Eishotels oder die Felszeichnungen von Alta ziehen Gäste an –, aber auch in der heute recht autonomen Verwaltung, die mit dem 1989 in Karasjok gegründeten samischen Parlament ein neues Zentrum erhielt. Dem Sameting obliegt es, den Erhalt der samischen Kultur und Sprache und die Stellung der Samen als indigenes Volk zu sichern.

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