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Ubers neuer Service : Schweigen ist Geld

  • -Aktualisiert am

Wer keine Lust auf eine Unterhaltung hat, kann den „Stille-Modus“ aktivieren. Bild: Picture-Alliance

Wer bei einer Uber-Fahrt keine Lust auf Smalltalk hat, kann gegen Aufpreis jetzt einen Fahrer buchen, der nicht spricht. Darf man Menschen per Knopfdruck zum Schweigen bringen?

          Der Taxifahrer ist ein verlässlicher Seismograph der Stimmungslage einer Stadt. Klagt er darüber, dass er sich seine Wohnung nicht mehr leisten kann, beschwert er sich über die fünfundzwanzigste Baustelle in Bahnhofsnähe, oder wettert er gegen das unaufhaltsam wachsende Selbstbewusstsein der Radfahrer? Es wird seine Berechtigung haben. Wobei nicht alle Fahrgäste gleichermaßen viel Vergnügen am Mit-Granteln und Beim-Granteln-Zuhören haben. Die denken sich, das schweig ich aus, und sitzen stumm daneben. Zu einem „Ich möchte die Stille genießen“ lassen sich nur Achtsamkeits-Taktiker verleiten.

          Damit, dachte sich der Fahrdienstvermittler Uber, lässt sich Geld verdienen. In Amerika können Kunden seit vergangener Woche einen „Komfort-Tarif“ buchen. Gegen einen Aufpreis gibt es dann einige Fahrservice-Extras: besonders viel Beinfreiheit, genau die Fahrzeugtemperatur, die man sich auch im Wohnzimmer immer wünscht – und einen schweigenden Fahrer. Alle Angaben werden per App gemacht: Wer keine Lust auf Unterhaltung hat, braucht bloß den „Stille-Modus“ zu aktivieren, wie die „Nicht-Stören“-Funktion auf dem iPhone: Schweigen auf Knopfdruck.

          Uber-Fahrer fühlen sich beleidigt

          Auf der Website von Uber heißt es unterdessen immer noch, man biete ein Arbeitsumfeld, in dem „alle so sein können, wie sie sind, und in dem authentisches Auftreten als Stärke gesehen wird“. Die wenigsten Uber-Fahrer scheinen mit der neuen Regelung, fürs Mundhalten bezahlt zu werden, glücklich zu sein. Schließlich besitze man ein Auto, um sich von niemandem vorschreiben lassen zu müssen, wann und ob man reden dürfe. „Redefreiheit ist ein Grundgesetz“, schreibt einer im Uber-Forum.

          Noch ist unklar, ob sich der Taxidienstleister mit seiner neuen Funktion besser durchsetzen wird als die Deutsche Bahn mit ihren geschwätzigen Ruheabteilen oder die Friseure, die ihren Kunden gegen Aufpreis die Themenwahl freistellen. Wer sich im Ruhewaggon der österreichischen Bundesbahn nicht an die Stille hält, muss immerhin vierzig Euro Strafe zahlen.

          Was bei Uber zählt, ist die Bewertung: Wenn sich die Fahrer nicht mehr beim Reden bemühen können, dann eben bei der Art des Schweigens. Statt „netter Gesprächspartner“ wird es dann zukünftig „braves Schweigen“, „aggressive Stille“ oder „angenehme Nicht-Kommunikation“ heißen. Dann allerdings könnte sich herausstellen, dass die Kunden, die sich einfach auf den Rücksitz setzen und zugeben, dass ihnen ein paar Minuten Ruhe guttäten, die besseren Bewertungen erhalten. Wer will schon per Knopfdruck zum Schweigen gebracht werden?

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