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Amerikanische Vorwahlen : Ronald Reagan reitet wieder

Virtuoser Rhetoriker mit beinharten Ansichten: Ted Cruz Bild: Reuters

Neben dem Polterer Donald Trump sieht der radikale, aber smarte Rhetoriker Ted Cruz ganz vernünftig aus - so dachten viele bei den Vorwahlen in Iowa. Die Lage ist spannend, und sie lässt sich erklären.

          An dem Tag, an dem Bernie Sanders als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird, werden die Freimaurer Oskar Lafontaine zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation krönen. Die Wahl Hillary Clintons ist schon wahrscheinlicher, aber auch nicht sicher - auf der Linken, die sie braucht, erinnert man sich zu gut daran, dass ihr Gatte diejenigen Gegner erst möglich gemacht hat, vor denen sie das Land jetzt retten will. Unter jungen Leuten gilt sie ohnehin als herzlose Technokratin. Unvergesslich bleibt ihr wunderbarer, aber politisch kostspieliger Einwand gegen die vorwurfsvolle Tirade einer Delegation der „Black Lives Matter“-Bewegung im vergangenen Jahr, sie sei als Politikerin nicht dafür zuständig, die Seelen der Leute zu ändern, sondern die Gesetze. Ein anderer linker oder linksliberaler Kandidat als Clinton oder Sanders wiederum würde schon deshalb von links und Teilen der Mitte misstrauisch betrachtet werden, weil er Ralph Nader ähneln müsste, der Al Gore geschwächt und so George W. Bush mit ermöglicht hat.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Bei den Rechten und ihrem Anteil an der Mitte aber ist es diesmal wirklich spannend. Trump spinnt und gewinnt, seit er angetreten ist. Der Rest des Feldes singt ein Lied, das seinem „Make America great again“ in wichtigen Punkten ähnelt: Der junge, hispanischstämmige Marco Rubio, der erst vor kurzer Zeit seine Studentenkredite abbezahlt hat, steht mit einem Buch auf den Bestsellerlisten, das „American Dreams: Restoring Economic Opportunity for Everyone“ heißt, während das gedruckte Manifest seines Mitbewerbers, des ebenfalls hispanischstämmigen Senators Ted Cruz aus Texas, den Titel trägt: „A Time for Truth: Reigniting the Promise of America“. Wer das für leeres hurrapatriotisches Symbolfeuerwerk hält, versteht es falsch. Das Amerika, das Trump „wieder großartig machen“ und dessen Versprechen Cruz „neu zünden“ will, hat bei Rubio den konkreten Namen, den alle drei meinen: „Economic Opportunity“, wirtschaftliche Erfolgschancen.

          In den Jahren 2000 bis 2011, so hat das soziodemoskopische Pew Center ermittelt, ist die sogenannte Mittelschicht in den Vereinigten Staaten das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft. Das mittlere Einkommen fiel um fünf Prozent, der mittlere Wohlstand - also das, was eine Familie besitzt, abzüglich der Schulden - sogar um achtundzwanzig Prozent. Während der jüngsten Krise waren sechzig Prozent der Jobs, die verlorengingen, solche, die man jener Mittelschicht zurechnet - im Baugewerbe, der industriellen Facharbeit, bei Versicherungen oder in der Informationstechnik.

          Das Erbe ihres Mannes könnte ihr zur Last werden: Hillary Clinton

          Und die Zukunft, so erklärt Rubio allen, die es hören wollen, sieht noch schlimmer aus. Thema Altersversorgung: Die war in den Vereinigten Staaten immer auf drei Stützen gesetzt, nämlich persönliche Ersparnisse, Pensionen (etwa von der Firma ausbezahlte) und die staatliche Social Security. Alle drei sind angeknackst und bruchgefährdet.

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