https://www.faz.net/-gqz-7mni6
 

Bayreuther Festspielleitung : Mohr kann gehen

  • -Aktualisiert am

Eva Wagner-Pasquier (l.) mit ihrer Schwester Katharina Wagner bei einer Pressekonferenz in Bayreuth im Juli 2013 Bild: dpa

Eva Wagner-Pasquier zieht sich aus der Leitung der Bayreuther Festspiele zurück, die sie seit 2008 mit ihrer Halbschwester Katharina leitet. In Zukunft wolle sie als Beraterin für die Gesellschafter arbeiten. Ein freiwilliger Abgang?

          2 Min.

          Gerüchtevögel zwitscherten es schon seit Tagen über den Hügel. Ein Vieraugengespräch mit Toni Schmid, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Bayreuther Festspiele GmbH, liegt jetzt eine gute Woche zurück. Eva Wagner-Pasquier, so hieß es, eine der beiden künstlerischen Leiterinnen der Festspiele, sei bei diesem Treffen von Schmid „gefeuert“ worden. Oder: Schmid habe ihr nahegelegt zu gehen. Oder: Er habe ihr eröffnet, ihr Vertrag werde nicht über 2015 hinaus verlängert.

          Wie auch immer, der Klartext dazu lautet: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Jetzt aber ist die scheue, stille, auf künstlerische Entscheidungsfragen konzentrierte Eva, die nicht halb so flott mit der Pressemeute umgehen kann wie ihre Halbschwester und Kollegin im Amt, Katharina Wagner, allen zuvorgekommen. Sie erklärte am Freitag gegenüber dem „Nordbayerischen Kurier“, sie wolle gehen. Freiwillig. Im Wortlaut: „Ich habe die Gesellschafter gebeten, mich ab September 2015 als Beraterin einzubinden.“

          Historischer Kompromiss

          Sogar der Zeitpunkt ist medienwirksam gewählt: Morgen zeigt das ZDF den deutschen Fernsehzuschauern in einem verspäteten Krimi zum Wagner-Jahr noch einmal ausführlich, was für Verheerungen das Richard-Wagner-Macht-Gen in der Vergangenheit in Hirnen und Herzen des Wagner-Clans angerichtet hat. Der bessere Krimi spielt sich freilich in der Gegenwart ab. Eva Wagner-Pasquier überlässt Katharina Wagner, in Erfüllung des letzten Willens von beider Schwestern Herrn Papa, die Alleinherrschaft übers Familienerbstück.

          Mit dem Alleinherrschen ist es freilich heute nicht mehr ganz so leicht wie ehedem. Wie für Intendanten an staatlich subventionierten Theatern üblich, gibt es in Bayreuth nun nur noch befristete Verträge. Als die beiden Wagner-Urenkelinnen im Sommer 2008 die Leitung der Bayreuther Festspiele übernahmen, war dies ein historischer Kompromiss. Der greise Wolfgang Wagner, Alleingesellschafter der Festspiel-GmbH, hatte sich lange zäh an sein ihm vertraglich „auf Lebenszeit“ zugesichertes Amt geklammert: Er wolle erst zurücktreten, wenn die jüngste Tochter aus zweiter Ehe, Katharina, die Festspielleitung übernehmen könne. Der Stiftungsrat sperrte sich gegen diese dynastische Erbfolge.

          Eva Wagner-Pasquier (r.) und Katharina Wagner im Juli 2012 beim Staatsempfang in Bayreuth Bilderstrecke
          Eva Wagner-Pasquier (r.) und Katharina Wagner im Juli 2012 beim Staatsempfang in Bayreuth :

          Erst als die ältere Tochter aus erster Ehe, Eva, die Wolfgang 1976 verstoßen, ja, der er Hausverbot erteilt hatte und die inzwischen eine beachtliche internationale Karriere als Theatermanagerin vorweisen konnte, wieder in Gnaden aufgenommen wurde, konnte das Patt aufgelöst werden. Der Stiftungsrat lenkte ein, Eva wurde zur Steigbügelhalterin Katharinas. Folgten etliche rührende Familienversöhnungsszenen, die beiden Halbschwestern, dreiunddreißig Jahre auseinander, sind seither öffentlich ein Herz, eine Seele.

          Was drinnen geschieht, geht keinen etwas an. Katharina sitzt fest im Sattel. Die Verlängerung ihres Vertrages um weitere fünf Jahre steht nicht in Frage. Sie arbeitet zurzeit an der Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ für 2015, gemeinsam mit ihrem guten Freund und musikalischen Berater, Christian Thielemann. Doch wer wird künftig kaufmännischer Direktor an ihrer Seite sein, der weitere Blamagen bei Bundesrechnungshofprüfungen verhindert? Angeblich soll der Vertrag von Heinz Dieter Sense, dreiundsiebzig, der im Sommer 2013 rettend einsprang, verlängert werden. Wie wir die Wagners kennen, haben sie auch für diesen Posten noch ein Ass im Ärmel.

          Weitere Themen

          ESC kehrt zurück – natürlich Corona-konform Video-Seite öffnen

          Musikwettbewerb in Rotterdam : ESC kehrt zurück – natürlich Corona-konform

          Nach einer Corona-bedingten Zwangspause im vergangenen Jahr kehrt der Eurovision Song Contest zurück. Ausgerichtet wird das Musikspektakel in diesem Jahr in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam. Die Organisation des weltberühmten Publikumevents ist in Pandemie-Zeiten eine große Herausforderung.

          Wo beginnt der deutsche Sonderweg?

          Antisemitismus in Deutschland : Wo beginnt der deutsche Sonderweg?

          Antisemitisch motivierte Straftaten nehmen hierzulande zu, der Hass scheint zu wachsen. Doch wie war es früher in Deutschland? Eine Reportage und eine historische Studie zum Antisemitismus geben Auskunft.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.