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Bayreuther Festspiele : Bewerber, bitte melden!

Den Bayreuther Festspielen droht kurz vor ihrem Beginn ein Arbeitskampf Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Bayreuther Festspiele sind nicht der Privatbesitz der Familie Wagner. Der Stiftungsrat will bei der Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner zwar die dynastische Kontinuität wahren. Die Satzung berechtigt jedoch alle Opernmacher von Rang, ihre Bewerbungsunterlagen einzureichen.

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          Kirsten Harms, Klaus Bachler, Ioan Holender. Die Namen dieser drei Opernmanager sind in der Diskussion um die Nachfolge Wolfgang Wagners noch nicht gefallen. Dabei kommt ihnen in dem Verfahren, das möglicherweise schon am Dienstag kommender Woche eröffnet wird, wenn der Stiftungsrat in Bayreuth zusammentritt, im Falle des Falles eine verantwortungsvolle Rolle zu. Nach Paragraph 8 Absatz 3 der Satzung der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth hat der Stiftungsrat „die Entscheidung einer dreiköpfigen Sachverständigenkommission einzuholen“, wenn er „Zweifel darüber“ hat, „ob ein Mitglied der Familie Wagner für den Posten des Festspielunternehmers besser oder ebenso gut geeignet ist wie andere Bewerber“. Die Mitglieder der Kommission sind zu berufen aus dem Kreis der Intendanten der großen Opernhäuser des deutschsprachigen Raumes, gemäß einer festgelegten Reihenfolge. An der Spitze der Liste stehen die Deutsche Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper und die Wiener Staatsoper.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Die Stiftungsurkunde datiert vom 2. Mai 1973. Das erklärt, weshalb unter den sieben genannten Bühnen die Staatsoper Unter den Linden nicht erscheint. Seit 1989 wäre Zeit genug gewesen, die Satzung in diesem Punkt dem Gang der Geschichte anzupassen. Dass diese Änderung nicht erfolgt ist, trägt zum Eindruck des Verstaubten bei, den einzelne Formulierungen der Satzung bei flüchtiger Durchsicht machen können. Den maßgeblichen Herren im Stiftungsrat scheint dieser Eindruck gar nicht unlieb zu sein. Die Minister Neumann (Berlin) und Goppel (München) wollen den Ruhm politischer Tatkraft erwerben. Zwar haben sie eine über jeden Formzweifel erhabene Abwicklung des Verfahrens zugesagt. An juristischen Spitzfindigkeiten soll die Neuordnung der Machtverhältnisse, die angeblich keinen Aufschub mehr duldet, aber nicht scheitern.

          Wo liegt die Mehrheit?

          Zum ersten Mal wird jetzt der Fall eintreten, für den die Satzung vor fünfunddreißig Jahren gemacht worden ist. Neumann und Goppel mögen Kunstsinn und Energie gewiefter Kulturpolitiker in das Findungsverfahren einbringen wollen – was sie in diesem Verfahren sind, sind sie nur durch Verträge. Sie müssen sich an den Buchstaben der Satzung halten. Nach Paragraph 8 Absatz 2 beginnt, wenn die Mitteilung des Festspielleiters über die Beendigung des Vertragsverhältnisses eingeht, eine Viermonatsfrist. Der Stiftungsrat wird die Familie Wagner auffordern, ihr Vorschlagsrecht auszuüben. Denn das Festspielhaus, an dem die Festspielleitung hängt, ist „grundsätzlich an ein Mitglied, gegebenenfalls auch an mehrere Mitglieder der Familie Wagner“ zu vermieten.

          Die Wahrnehmung des Vorschlagsrechtes ist an zwei Bedingungen gebunden. In der Öffentlichkeit war letzthin nur von der Frist die Rede: Innerhalb von vier Monaten müssen die Familienvertreter im Stiftungsrat ihren Vorschlag einreichen. Die Satzung setzt aber auch ein Quorum fest. „Mit der Mehrheit ihrer Stimmen im Stiftungsrat können die Abkömmlinge von Richard Wagner Vorschläge machen.“ Es können also auch mehrere Vorschläge gemacht werden, die Abkömmlinge Richard Wagners können verschiedene Familienangehörige nennen, die sie gleichermaßen oder in abgestufter Reihenfolge für geeignet halten. Nach dem Wortlaut steht aber außer Zweifel, dass auch eine solche Liste von Alternativvorschlägen von der Mehrheit der Familienstimmen verabschiedet worden sein muss. Was dem Stiftungsrat vorgeschlagen wird, muss von der Familienmehrheit getragen werden.

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