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Bayerische Staatsoper : Welch ein sonderbar Ding

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In München feierte man den 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Nationaltheaters, das auch die Bayerische Staatsoper beherbergt. Dabei sang die Sopranisten Nina Stemme etwas höchst Seltsames aus dem „Rosenkavalier“. Warum wohl?

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          Furchtlos schlägt sich Herr Bachler, der Intendant der Bayerischen Staatsoper, für sein Haus. Dafür war er schon berühmt, als er noch in Wien das Burgtheater führte: dass er das Gegenteil ist von einem Angsthasen. Zwar klaut er den Kritikern nicht ihre Notizblöcke, aber er guckt ihnen streng auf die Finger, schreibt ihnen subtil formulierte Mails, bekämpft, beschimpft, beleidigt sie und gibt ihnen recht eigentlich die Schuld am Zeitungssterben. Ein Wunder, dass sich in München überhaupt noch einer Kritiken zu schreiben traut.

          Am vergangenen Sonntag lud Herr Bachler zum Festakt ein. Gefeiert wurde der fünfzigste Jahrestag der Wiedereröffnung des Nationaltheaters, des Prachtgebäudes, darin die Münchner Oper daheim ist und dessen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg so außergewöhnlich lange dauerte, weil die sozialdemokratische Stadtregierung damals den sozialen Wohnungsbau noch wichtiger fand.

          Feinde der Oper lauern überall. Nur in der bayerischen Landesregierung nicht, da sitzen die wahren Freunde der Oper. Weder der Staatsminister für Bildung und Kultus, Herr Spaenle (CSU), noch die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Frau Stamm (CSU), versäumten es, in ihren Grußworten auf das Geheimnisvolle, Märchenhafte, Unsagbare und Lebensferne dieser Gattung hinzuweisen, und Péter Esterházy, der die bizarr-barocke Festrede hielt, die ihn vom Irrenhaus direkt aufs Fußballfeld führte, wirkte wie das inkarnierte Versprechen jedweder opernhaften Unmöglichkeit.

          „Da geht er hin, der aufgeblasne, schlechte Kerl“

          Zwischendurch gab der neue Generalmusikdirektor, Kirill Petrenko, seinen Einstand. Er dirigierte souverän Mozart, Strauss und Wagner. Kurze Opernfetzen. Naturgemäß fehlte dabei entweder ein ordentlicher Schluss oder ein ordentlicher Anfang oder beides, was durch den tollen Chor, den novembrig vernebelten Tenor Jonas Kaufmann und die pianissimoumwehte Sopranistin Nina Stemme wieder gutgemacht wurde. Kaufmann sang „Winterstürme“.

          Seltsam, die Stemme sang, statt des ursprünglich angekündigten, festaktkompatiblen Monologs der Rosenkavaliers-Marschallin von der Zeit, die ein sonderbar Ding ist, etwas anderes. Kaum, dass sich der Minister wieder hatte hinsetzen können, stimmte sie das Rezitativ an: „Da geht er hin, der aufgeblasne, schlechte Kerl.“ Hoffentlich hat der Herr Bachler diese subtile Programmänderung nicht an den netten Herrn Spaenle adressiert. Gewiss aber auch nicht an Herrn Heubisch, der das Grußwort gesprochen hätte, wenn es nicht Herr Spaenle geworden wäre. An Petrenko? Bloß nicht! An wen sonst? Wir bitten herzlich um eine Mail.

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