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Bauen in Südafrika : Die richtige Entwicklungshilfe

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„Die erste Schule in Zonkizizwe war ausschlaggebend“, sagt Markus Dobmeier, freischaffender Architekt und Assistent an der TU München. Er ist der Leiter und Koordinator vor Ort. „Bauen in einem fremden Land ist immer eine Mischung aus Try and Error. Aber nach einigen Jahren können wir sagen, welche Bauweisen sich bewährt haben. Man braucht technische und strukturelle Fehler ja nicht zweimal zu begehen.“

Auffällig schotten sich die Gebäude von der spektakulären Landschaft ab. Was aus europäischer Sicht ungewöhnlich erscheint, hat gute Gründe: „Die Kinder gehen täglich einige Kilometer zur Schule und zurück, da haben sie genug Landschaft“, sagt Dobmeier. „Mir war es wichtig, eine Architektur zu schaffen, die den starken Regenfällen und den stürmischen Küstenwinden standhält.“ Das Konzept geht auf. In den Innenhöfen wird gespielt und getanzt. An schönen Tagen findet der Unterricht im Freien statt.

Mitarbeit als Burnout-Prophylaxe

Finanziert wird das Bauvorhaben durch Spenden. Für den Schulbetrieb kommt die Bank Austria auf, die das Projekt ihrerseits als Burnout-Prophylaxe für ihre Mitarbeiter nutzt. Wer während seines Urlaubs freiwillig eine Woche am Bau in Südafrika verbringt, bekommt eine zweite auf der Baustelle als bezahlte Arbeitszeit dazu. Die Wartelisten der Bank-Austria-Angestellten sind voll.

„Ich finde die Idee wunderbar“, meint Jaqueline du Toit. Die fünfundvierzigjährige ausgebildete Schneiderin ließ sich umschulen, absolvierte ein Fernstudium und ist nun Direktorin der Schule. „So wird die Baustelle zügiger vorangehen als gedacht! Wenn es nach mir geht, dann könnten wir noch schneller bauen. Eltern und Kinder rennen uns die Türe ein. Wir brauchen dringend Platz.“

Derzeit besteht die Mzamba School aus zwei Grundschulklassen und einem Küchenbau. Eine weitere Klasse befindet sich in Bau, der schuleigene Gemüsegarten wagt sich langsam in die Blüte. Ziel sind sieben Klassen, ein Kindergarten, ein Verwaltungsbau und eine Bibliothek in vier bis fünf Jahren. Jaqueline du Toit brütet bereits über weiteren Plänen. „Als nächstes müssen wir in die Ausbildung der Jugendlichen investieren. Was nützt eine abgeschlossene Schule, wenn es keine Jobs gibt?“

Bio-Gebäck für Johannesburger Hotels

Sobald die Schüler in Mzamba die Schule abgeschlossen haben, sollen sie - dank ihrer Direktorin - eine Textil- und Schneiderei-Ausbildung absolvieren. Und am Ithuba Skills College in Zonkizizwe werden sie bald die Wahl zwischen Schneiderei, Tischlerei, Schlosserei, Autowerkstätte sowie Tanz und Musik haben. Als im Magagula Township der britische Dirigent Simon Rattle gastierte, blieben einige der jungen Tänzerinnen und Tänzer seiner Truppe und bilden nun an der Ithuba School Nachfolger aus.

Demnächst soll auf dem Schulgelände eine eigene Bäckerei errichtet werden. Heli Gragger, ein Wiener Bio-Bäcker, der seine handgestreichelten Brötchen teuer verkauft, wird mit deutschen Architekturstudenten an der Ithuba School einen Ofen bauen und Jungbäcker ausbilden; Luxushotels im nahen Johannesburg haben schon Interesse an der österreichischen Bio-Backware bekundet.

„Richtige Entwicklungshilfe beginnt erst dann zu greifen, wenn der mediale Hype nachgelassen und die Arbeit zum Teil zäh und mühsam, manchmal sogar langweilig geworden ist“, meint s2arch-Chef Christoph Chorherr. „Drei Viertel aller Entwicklungsprojekte gehen schief. Nachdem wir nach fünf Jahren immer noch beschäftigt sind, glaube ich, dass wir es richtig gemacht haben.“

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