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Kunstmarkt : Banksys Eimer

Halb geschreddert: das Werk „Love is in the Bin“ Bild: EPA

Es war eine Kunstmarkt-Kapriole ganz neuer Art, als sich ein Bild des Graffitikünstlers Banksy während der Auktion zum Teil selbst zerstörte. Jetzt ist es wieder zu haben – und soll Millionen kosten.

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          Es war bloß eine Frage der Zeit: dass nämlich Banksys unglückseliges Machwerk „Love is in the Bin“ wieder im Auktionsmarkt auftauchen würde. Vor drei Jahren hatte sich dieses Spraybild des englischen Graffitikünstlers mit seinem berühmten Motiv des „Girl with Balloon“ in einer Auktion bei Sotheby’s selbst zum Teil längs geschreddert, so dass nun seine untere Hälfte in Form zierlicher Volants herumhängt. Ausgelöst wurde die Aktion ferngesteuert durch einen im Rahmen eingebauten Mechanismus. Banksy selbst übernahm kurz darauf die Verantwortung in einem Video, mit der im Nachhinein etwas vagen Äußerung, bei den Proben habe es jedes Mal funktioniert. Was eigentlich, lässt sich heute fragen? Die angeblich geplante Vollzerstörung des Bildes, wie am Ende dieses Videos vorgeführt – oder ebendas, was schließlich wirklich geschah: nämlich die Herstellung einer Art mäßig ästhetischer Gardine, punktgenau auf der Hälfte zwischen Ballon und Mädchen.

          Der Zuschlag für das noch intakte Werk war bei 860.000 Pfund bereits ergangen. Mit Aufgeld bezahlte die ungenannte europäische Sammlerin dennoch gut eine Million Pfund, nachdem sie sich hatte überzeugen lassen, dass da etwas offenbar noch nie Gesehenes geschehen sei: die Entstehung des ersten durch Selbstzerstörung geschaffenen Kunstwerks, noch dazu während einer Auktion, gewissermaßen einem Hochamt des Kommerzes im Kunstmarkt. Banksy seinerseits war da gern behilflich, indem er die Kreation nachträglich autorisierte, nun eben als „Love is in the Bin“. Unter diesem Titel wurde das Ding dann im Burda Museum in Baden-Baden dem staunenden Publikum vorgeführt, danach als Leihgabe sogar in der Staatsgalerie Stuttgart.

          Nun ist es also wieder da! Wieder bei Sotheby’s in London, diesmal versehen mit einer Schätzung von vier bis sechs Millionen Pfund, dem mindestens Vierfachen des Preises von 2018. Das ist schon kess – und weil der globale Kunstmarkt völlig humorlos ist, bestimmt nicht als guter Witz gemeint. Zudem steht der bis heute anonyme Schöpfer Banksy, derzeit zu neuer Aktivität erblüht, auf dem Höhepunkt seines Marktwerts; „Love is in the Air“, ein Spraybild seines ebenso bekannten „Flower Thro­w­er“-Motivs, wurde im Mai in New York mit 12,9 Millionen Dollar honoriert. Und sowieso musste es schnell gehen mit der „Liebe im Eimer“, ehe die Nummer ganz versandet; ohne das Pandemiejahr wäre es gewiss noch schneller gegangen. Aber der Moment jetzt ist auch nicht schlecht, so viel auf der Welt herumstromerndes Geld will unterkommen, koste es, was es wolle.

          Die Firma Sotheby’s, die sich 2018 deutlich von jedem Mitwissen distanzierte, ergreift die zweite Gelegenheit bereitwillig. Deshalb wird das Fransenteil – „Dieses Kunstwerk ist einzigartig“ – auf Tournee geschickt nach Hongkong, Taipeh und New York, ehe es am 14. Oktober wieder in London zum Aufruf kommt. Glaubwürdig wäre Banksys Coup freilich erst, wenn der eingebaute Schredder gleichsam wiedererwachte und seine Aufgabe vollenden würde, zur hellen Begeisterung eines neuen Käufers.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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