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Serie „Wildwechsel“ : Der Bär liebt keine Überraschungen

  • -Aktualisiert am

Drohgebärde: Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) in Valdez, Alaska Bild: Picture Alliance / ImageBroker / Christian Vorhofer

Raubtier, Stofftier, pelziger Romantiker: Bären entzünden die Fantasie von Jägern, Sammlern und Schriftstellern. Und von Umweltpolitikern, die finden, nach dem Wolf könne auch der Bär nach Deutschland zurückkehren.

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          In Richard Girlings neuem Buch „The Longest Story. How Humans have Loved, Hated and Misunderstood Other Species“, zu Deutsch „Der Mensch und das Biest. Eine Geschichte von Herrschaft und Unterdrückung“, liest man nicht nur, was für ein gründlicher Naturforscher Aristoteles war, sondern auch, dass er Aberglauben ebenso verachtete wie Plinius: „Dass Menschen in Wölfe verwandelt und dann in ihre ursprüngliche Gestalt zurückversetzt werden können, müssen wir entschieden als Lüge zurückweisen.“ Doch was sind zweitausend Jahre Wissenschaftsgeschichte, könnte man angesichts mancher Publikationen fragen, in denen wilde Tiere derzeit zu Projektionsflächen der „Spiritualität“, „Achtsamkeit“, „Naturverbundenheit“ und des „Anderen“ werden. Das Schicksal trifft den Wolf, aber er teilt es mit dem Bären, dem größten der in Europa heimischen Prädatoren und beliebten Stofftier.

          „An das Wilde glauben“ heißt ein neues Buch der französischen Ethnografin Nastassja Martin, die auf der russischen Halbinsel Kamtschatka das Leben der Ewenen studiert. Unterwegs in den Bergen, kommt es zu einer beinahe tödlichen Begegnung. Martin schreibt, sie sei auf der Suche gewesen „nach demjenigen, der endlich die Kriegerin in mir offenbaren würde“, und berichtet: „Ich denke ... an den Kuss des Bären, an seine Zähne, die sich über meinem Gesicht schließen, an meinen krachenden Kiefer, meinen krachenden Schädel, an die Dunkelheit, die in seinem Maul herrscht, an seine feuchte Wärme und seinen stark riechenden Atem, an das Nachlassen des Drucks seiner Zähne, an meinen Bären, der es sich plötzlich auf unerklärliche Weise anders überlegt, seine Zähne werden nicht die Werkzeuge meines Todes sein, er wird mich nicht verschlingen.“

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