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Bad Hersfelder Festspiele : Dieter Wedel tritt als Intendant zurück

  • Aktualisiert am

Dieter Wedel in der Stiftsruine von Bad Hersfeld Bild: dpa

Nach wiederholten Übergriffs-Vorwürfen hat Dieter Wedel seine Intendanz bei den Bad Hersfelder Festspielen niedergelegt. Er habe eine Herzattacke erlitten und liege im Krankenhaus, sagte eine Sprecherin.

          Dieter Wedel tritt nach wiederholten Vorwürfen sexueller Übergriffe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. Der 75 Jahre alte Regisseur könne seine Aufgaben für die Theater-Festspiele nicht weiter wahrnehmen, erklärte eine Sprecherin Wedels am Montag. „Derzeit befindet sich Dieter Wedel in einem Krankenhaus. Nach den Ereignissen der letzten zwei Wochen ist er gesundheitlich angeschlagen.“ Er habe eine Herzattacke erlitten, Details zu seinem Zustand machte sie nicht.

          Im „Zeit-Magazin“ hatten mehrere Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen den Regisseur erhoben, die bis hin zum erzwungenen Sex reichten. Wedel widersprach den Anschuldigungen per eidesstattlicher Erklärung.

          In einer am Montag von Wedel verbreiteten persönlichen Stellungnahme heißt es: „Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigungen und Vorwürfen ausgesetzt. Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert. Und auch die Tatsache, dass es nicht aufhört.“

          „Klima der Vorverurteilung“

          Die Vorwürfe reichten, so Wedel, bis zu 20 Jahre zurück. Wichtige Zeugen, die zu seiner Entlastung beitragen könnten, seien inzwischen verstorben, beklagte er. Für ihn, seine Gesundheit und seine Familie sei damit ein erträgliches Maß weit überschritten.

          Wedel sprach in seiner Stellungnahme auch von Erpressungsversuchen von vermeintlichen Zeuginnen. Sie hätten von ihm eine höhere als die ihnen von Verlagen und Zeitungen für ihre Aussage angebotene Summe gefordert, anderenfalls würden sie ihn ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt belasten. Teilweise seien hier fünfstellige Summen im Spiel gewesen. „In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten Verdachtsberichterstattung, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen“, schreibt Wedel in seiner Stellungnahme. Wedel kündigte an, sich nicht mehr öffentlich äußern zu wollen.

          Wedel war im Herbst 2014 Intendant der Bad Hersfelder Festspiele geworden. Seine Aufgaben soll vorerst Wedels bisheriger Stellvertreter Joern Hinkel übernehmen.

          Der Bad Hersfelder Bürgermeister Fehling zeigte sich über Wedels Entscheidung bestürzt. „Heute ist ein trauriger Tag für die Bad Hersfelder Festspiele“, sagte er. Der Magistrat wolle sich am Abend mit der Situation befassen und die Weichen für die aktuelle Spielzeit und darüber hinaus stellen, so Fehling.

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