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Bachmann-Wettpreis : Peter Glaser ist neuer Ingeborg-Bachmann-Preisträger

  • -Aktualisiert am

Peter Glaser Bild: dpa

Mit seiner „Geschichte über das Nichts“ gewinnt der Österreicher Peter Glaser den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt.

          Erstmals seit 1995 hat sich im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis wieder ein Autor aus Österreich durchgesetzt. Spannend wurde die Preisvergabe durch die gleichmäßige Verteilung der Sympathien der Jury: Erst nach zwei Stichwahlen standen die Sieger fest.

          Der in Graz geborene Schriftsteller Peter Glaser, der gerade seinen 45. Geburtstag feiert, setzte sich gegen die als Favoritin gehandelte deutsche Autorin Anette Pehnt durch. Pehnt erhielt den Preis der Jury, der Ernst-Willner-Preis der Verlage ging an Mirko Bonné. Damit wurden jene Teilnehmer ausgezeichnet, deren Texte in der Jury spontan auf großes Lob gestoßen waren.

          Spontan überzeugt

          Die Lesungen hatten in diesem Jahr wenig Kontroversen und kaum literarische Grundsatzdebatten ausgelöst. Oft herrschte unter den Juroren „Ratlosigkeit“ und Unverständnis über die ausgewählten Texte, was einmal mehr die Auswahlkriterien und die Jury selbst in die Kritik rückte. Preisträger Glaser hatte die sieben Juroren mit seiner „Geschichte über das Nichts“ fast ausnahmslos überzeugt. Glaser verknüpft in den beiden Teilen „Süden“ und „Norden“ eine Liebesbegegnung mit einer Reise, die den Ich-Erzähler über den Mittelmeerraum nach Norddeutschland führt.

          Die Jury sah in dem Text eine „Geschichte über die Leerzeichen der Liebe“, verbunden mit einer „Parodie auf Globales“ und einen „Abschied von den 90er Jahren“. Auf den „Gestus des Jokens“ folge tiefe Ratlosigkeit und Melancholie. Juror Scheck, der Glaser nach Klagenfurt eingeladen hatte, lobte seinen Autor: „Glaser hat die Eigenschaft, durch seine Texte meine Seele zu bereichern und er bewegt mich intellektuell. Mehr kann ich von Literatur nicht verlangen“.

          „Überwältigende Sprachkraft“

          Begeistert zeigte sich die Jury von der Sprache und der panoptischen Struktur der Erzählung, die das heutige Bewusstsein in seiner Zersplitterung abbilde, politische Aktualität wie den Nahost- Konflikt und den 11. September auf angemessene Weise einfüge und in „sensationelle Bilder“ fasse. Der Schweizer Juror Thomas Widmer fand „große Welthaltigkeit“, einhellig wurde die „überwältigende Sprachkraft“ hervorgehoben.

          Den Preis der Jury erhielt Anette Pehnt für den Beginn ihres Romans „Ich muss los“ unter dem Titel „Insel Vierunddreißig“. Die Autorin erzähle „mit großer Klugheit und Klarheit“ die Geschichte des Erwachsenwerdens und einer Obsession, urteilte die Jury. Ihr gelinge eine Verbindung von „sprachlicher Schlichtheit mit großem Humor“: Der Romanbeginn sei „ein Versprechen“.

          Bedrohung als Thema überzeugt

          An Mirko Bonnés Text „Auszeit“, der den Ernst-Willner-Preis der Verlage erhielt, gefiel die „raffinierte Konstruktion“. Die in lakonischer Sprache gehaltene doppelbödige Familiengeschichte um die Krankheit einer Schwester werde „raffiniert über die Bande“ spielend entwickelt. Sie verberge unter der harmlos scheinenden Oberfläche tiefe Traurigkeit und eine große Bedrohung.

          Mit Raphael Urweiders Text „Steine“, der nach Stichwahl mit dem 3Sat-Preis ausgezeichnet wurde, würdigte die Jury eine Geschichte, die in metaphorisch- lyrischer Sprache ebenfalls die Bedrohung einer Krankheit aufgreift.

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