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Babyalarm : Ein Julimontag im Londoner Krankenhaus St. Mary

  • -Aktualisiert am

Seit Wochen wird das St Mary’s Krankenhaus in London von Medien und Schaulustigen belagert. Gar nicht so einfach, zu einem lange anberaumten Untersuchungstermin durchzukommen.

          Oben auf dem Hügel des antiken Kaunos wirkt die Gegenwart wie ferne Zukunft. Aber selbst an diesem abgeschiedenen Ort ist kein Entkommen vor der königlichen Niederkunft. Als wir mit einer Handvoll anderer Touristen vor einigen Tagen vor der prallen anatolischen Mittagssonne Schutz suchten im Schatten der Olivenbäume, die zwischen den Stufen des Theaters Wurzeln geschlagen haben, rief eine südafrikanische Reisende herüber, ob das königliche Baby schon geboren sei. Weder wir noch die britische Familie neben uns wussten etwas Neues zu berichten. Die Gegenfrage der Briten, wie es denn um Mandela stehe, erntete etwas mehr Auskunft. Einer aus der südafrikanischen Gruppe erzählte, er sei mit einem der behandelnden Ärzte befreundet und behauptete, Mandela werde nur bis zu seinem Geburtstag am Leben gehalten. Dieser Tag ist inzwischen glücklich verstrichen.

          Von der Ägäis zurückgekehrt, stellen wir uns eine knappe Woche nach dem Austausch zwischen den Trümmern von Kaunos im Krankenhaus von St Mary’s, Paddington, zu einem lange anberaumten Untersuchungstermin vor. Die Medien und einige Monarchisten kampieren seit Monatsanfang erwartungsvoll vor dem Eingang des Flügels für die Privatpatienten. Am Montagmorgen, kurz nachdem sich das königliche Paar durch einen Seiteneingang ins Krankenhaus geschlichen und der Palast die Wehen bestätigt hat, sind Polizisten an allen Eingängen des weitläufigen Komplexes postiert. Niemand, der nicht nachweisen kann, weshalb er Zutritt sucht, kommt an den Uniformierten vorbei, auch nicht der Krankenhausangestellte, der seinen Hausausweis vergessen hat. Die Seitenstraßen sind mit Übertragungswagen verstopft. Das Café, direkt gegenüber der Privatstation, dient als Presseraum und Maske für die Fernsehmoderatoren.

          Im Krankenhaus versuchen Ärzte und Pfleger, ihrem Alltag nachzugehen. Das Funkrufsystem versagt. Die Presse sei schuld, sagt eine Stationsschwester. Zur Computertomographie werden wir in ein anderes Gebäude geschickt über eine Brücke, die die Straße überspannt, wo die Meute am heißesten Tag des Jahres mit Leitern, Kameras und Objektiven auf das protokollarisch festgelegte Zeichen lauert: einen Hofangestellten, der das Gebäude mit einem versiegelten Umschlag gen Buckingham Palace verlässt. Das DIN-A4-Papier ist der weiße Rauch des britischen Königshauses.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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